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0 Autor: Jonathan Schütz

Anorak - Sleep Well

Sleep Well

Anorak wärmen auch mit ihrem zweiten Album Sleep Well die Herzen von Melancholikern, die eine Schwäche für rohen DIYPost- Hardcore haben.

Die dürften bereits 2016 das Debüt der Kölner mit offenen Armen beziehungsweise Ohren aufgenommen haben. Die auf "Enthusiasts And Collectors" eingeflochtene Symbiose aus Post-Hardcore-Gekreische, Emo-Melancholie und von Post-Rock gestützten Indie-Momenten stellt auch für "Sleep Well" das musikalische Grundgerüst dar, zusammen mit Produzent Magnus Wichmann (Lirr, Lingua Nada) hat das Quintett im vergangenen November aber dessen Stellschrauben sorgfältig nachgezogen. Das hört man etwa in "Applause", das passenderweise von Anfang bis Ende von Handclaps durchzogen ist, während Sänger Philipp Lessel im Ohrwurm-Refrain mit seinen inneren Dämonen kämpft: „I can’t stand these voices anymore“. Lessel schafft mit seinem Gesang, der zwischen verzweifeltem Geschrei und hymnischen Melodien pendelt, viele kleine, schlaue Sätze, die zwar nicht vor lyrischer Komplexität strotzen, aber oftmals direkt auf die Probleme zielen, mit denen sich viele Menschen im Alltag herumschlagen. Die Single "The Sun" thematisiert so die vermeintliche Unvereinbarkeit von Sonnenschein und psychischen Problemen: „It’s just a sunny day, probably not a good day to say what’s in my heart“. Das sperrig betitelte "An Imprint Of A Pigeon Which Flew Against The Window" enthält neben flirrenden Gitarren die simpelste, aber auch schlauste Zeile der Platte: „Indifference is different.“ Das polternde "Interlude" spiegelt dagegen die immense Spielfreude der Band wider. Für das Prädikat „besonders wertvoll“ reicht es am Ende nur knapp nicht.

Bewertung: 8/12

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