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0 Autor: Christian Steinbrink

Tinariwen - Amadjar

Amadjar
  • VÖ: 06.09.2019
  • Label: Wedge/Pias/Rough Trade
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 318

Die Übersetzungsschwierigkeiten nordafrikanischer Folklore in den Okzident mögen sich zwar kaum verbessert haben, Tinariwen schaffen mit ihrem achten Album trotzdem Platz für Faszination.

Stoisch ziehen Tinariwen ihren Stiefel durch. Seitdem die Tuareg-Band Anfang der 2000er nach 20 Jahren Bandgeschichte erstmals in der westlichen Musikwelt auftauchte, ist sie über die Kontinente gezogen und hat Dutzende renommierter Musiker aus den USA und Europa in ihre Geheimnisse eingeweiht. Maßgeblich geändert haben sich ihre Musik oder ihr Auftreten aber kaum. Auch ihr achtes Album seit ihrem Eintritt in die Musikindustrieblase der ersten Welt ist in erster Linie von den Mustern und Strukturen der Folklore ihres Volksstammes geprägt und mit Rock und Blues nur sanft ergänzt worden. Ein wenig ruhiger und besinnlicher mögen die Rhythmen und Arrangements der 13 neuen Stücke geraten sein, insgesamt spiegeln sie aber dasselbe, von der Band mit aller Gelassenheit und Routine vollzogene Konzept wider. Auch dieses Mal durfte eine Handvoll bekannter Musiker wie Cass McCombs, Stephen O’Malley und Warren Ellis mittun, und erneut hört man deren Einfluss nur in Nuancen heraus. Tinariwen lassen sich angesichts ihrer instrumentalen Fertigkeiten eben von nichts beirren, auch nicht von Schicksalsschlägen oder politischen Unruhen. Dementsprechend egal ist es auch, ob Aufnahmen wie beim Vorgänger "Elwan" in den USA stattfinden oder wie für Amadjar in einem Zelt am Rande der Sahara. Die Band bleibt einfach dabei, der Welt einen kleinen Einblick in ihre kulturellen Errungenschaften zu bieten. Die mag zwar nicht alles verstehen, hört aber nicht auf zu staunen.

Bewertung: 7/12

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