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0 Autor: Carsten Sandkämper

Sumac - Even For Just The Briefest Moment (mit Keiji Haino)

Even For Just The Briefest Moment (mit Keiji Haino)

Wer sich das hier antut, ist selbst schuld. Man muss sich angesichts dieses Experiments jenseits aller Konvention fragen, wo die eigene Toleranz endet und Selbsthass beginnt. Diese Performance wurzelt in der Avantgarde und wächst ins Nichts.

Sie haben es schon mal getan. Aaron Turners Sumac und der japanische Improvisateur Keiji Haino. "American Dollar Bill" war ein ähnlich monolithisches Machwerk, dessen konsequente Reizüberflutung mit atonalem Geschrei und entgrenztem Noise hart an die Schmerzgrenze ging. In der Wiederholung der Zusammenarbeit wird diese Grenze neu gezogen. Aufgenommen wurde das Album 2017 an nur einem Tag. Die aufgezeichnete Musik sollte weder vorher noch nachher existieren, eine Wiederholung ist aber mutmaßlich ohnehin nicht möglich. So wurde Randall Dunn als Mischer der Aufnahmen gleichzeitig zum Nachlassverwalter des gesamten Projekts. Die vier „Suiten“ – zwischen fünf und 29 Minuten lang – sind Affront und Kunstwerk in einem. Haino nutzt die ihm gegebenen Talente an Gitarre, Flöte und dem koreanischen Taepyeongso, einer Art Oboe, in absolut anarchischer Art und Weise. Harmonie ist was für Anfänger, erst in der Reibung entsteht Neues, mag sein Motto sein. Da die ihm beispringende Formation aus den Tiefen des amerikanischen Sludge-Undergrounds um Isis, Old Man Gloom und Sunn O))) genau diesen avantgardistischen, ja nihilistischen Ansatz braucht, um sich in Orgien aus Halbtonreibung und maximalem Noise von allen Fesseln zu befreien, klingt das Ergebnis markerschütternd und unerbittlich. Selten passte die Bezeichnung „negative Musik“ besser zu einem Album, dessen vollständiger Titel allein die Hälfte dieser Plattenkritik eingenommen hätte.

Bewertung: 6/12

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