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0 Autor: Sebastian Stöwer

Gauche - A People's History Of Gauche

A People's History Of Gauche

Gauche sind künstlerische Energie im Überfluss. Angenehm unverkrampft, verdammt tanzbar, aber auch ganz schön anstrengend. Nichts für Tage mit Kopfschmerzen.

Nachts um drei von einem schreienden Kleinkind geweckt werden – so muss sich das anfühlen. Denn je nachdem, wer bei Gauche gerade das Mikro malträtiert, wird man entweder angequietscht, angeschrien oder schlicht irritiert. Töne werden, wenn überhaupt, eher zufällig getroffen. Harmonisch singen will hier wirklich niemand. Muss aber auch nicht sein: Die Aufmerksamkeit liegt dadurch ganz auf dem ADHS-Sound der derzeit fünfköpfigen Band aus Washington, DC. Der eigentlich recht klare und sauber produzierte Indierock ist nicht nur von schrulligen Keyboard-Sounds durchwebt, sondern auch vom stets präsenten und dominanten Saxofon. Jedem eingängigen Gitarrenriff stehen schräges Gedudel und eine unkonventionelle Gesangsmelodie gegenüber. Die dissonanten Versatzstücke lehnen sich dabei kräftig gegen das strenge Korsett der knackigen Drei-Minuten-Songs auf, ohne die Tanzbarkeit auch nur im Geringsten zu gefährden. Gauche zappeln und freestylen sich 35 Minuten lang durch ausnahmslos gut gelaunte Party-Songs. Dabei geben die Texte und Motive auf den ersten Blick wenig Anlass zum Feiern: Das Album thematisiert soziale Ängste und Feminismus, verurteilt Kapitalismus und das Patriarchat und folgt damit dem Narrativ einer „People’s History“, in der traditionell den Alltagsproblemen von Diskriminierten und Randgruppen nachgespürt wird. Die Musik ist das Ventil, über das Gauche ihren Frust in Energie umwandeln und ihm letztendlich etwas Positives abgewinnen. Das alles ist sehr, sehr viel auf einmal. Und in manchen Momenten schlicht zu viel.

Bewertung: 6/12

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