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0 Autor: Christian Steinbrink

Norbert Buchmacher - Habitat einer Freiheit

Habitat einer Freiheit

Ein weiterer einsamer Wolf des Rock sucht den Weg ins Rampenlicht – Norbert Buchmacher ist ein talentierter Darsteller, wirft für die größtmögliche emotionale Eindeutigkeit aber jegliche künstlerische Kante über Bord.

Buchmacher scheint nicht von Zweifeln geplagt zu sein. Der Rocker aus Ulm verfügt über ein klares Weltbild und sieht keinen Grund, damit hinter dem Berg zu halten. Anders ausgedrückt: Der Mann hat eine Botschaft, und die ist mit den Sinnsprüchen „Geh’ deinen Weg“ und „Bleib’ wie du bist“ schon weitgehend umrissen. Für diese Kunde hat er auf seinem Debütalbum mit dem wenig dezenten Titel "Habitat einer Freiheit" die klarste mögliche musikalische Untermalung gefunden. Abgesehen von der weit hinten versteckten Tom-Waits-Reminiszenz "Seid was ihr wollt" versammelt die LP fast ausschließlich Rockballaden, rhythmisch getragen, raumgreifend und fast immer fürchterlich bedeutungsschwanger. Die Reibung zu den viel zu oft nach Schema F aufgebauten und mit einem Meer aus Streichern angefeuchteten Arrangements erzeugt allein Buchmachers kratzige und kraftvolle Stimme. Die soll Lebenserfahrung und Charakter ausdrücken, erinnert dafür aber viel zu schal an die erfolgreichen Musterbeispiele von Henning May, Westernhagen oder Grönemeyer. Dass dieses Album derart lahm rockt, ist nur ein weiteres Indiz für die Zielgruppe, die Buchmacher und seine Band mit Singles wie "Müsterium des Seins" (sic!) anvisiert haben: Es soll geradewegs in die landläufigen Formatrock-Radiosender der Ü-40-Generation gehen. Oder überall dahin, wo unbändiges Gefühl den Kopf überflügelt. Denn für Nachdenklichkeit oder gar Kunst ist auf diesem Album kein Platz.

Bewertung: 4/12

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