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0 Autor: Christian Wiensgol

Good Riddance - Thoughts And Prayers

Thoughts And Prayers

Zwei Dinge überraschen auf dem zweiten Album von Good Riddance seit der Reunion: Es klingt wie eine Fat-Wreck-Werkschau und handelt nicht explizit von Trump.

Ihnen letzteres vorzuwerfen ist natürlich unfair. Schließlich waren es neben Propagandhi Good Riddance, die den anderen Fat-Wreck-Bands in den 90ern ein Bewusstsein für die ältere und jüngere Geschichte ihres verkorksten Vaterlandes eintrichterten. Dafür stehen die Kalifornier heute noch beziehungsweise seit 2012 wieder. Sie müssen nicht explizit gegen Trump hetzen, denn Russ Rankin singt schon immer gegen alles an, was Trump verkörpert. Auch "Thoughts And Prayers" nimmt sich auf allgemeiner Ebene US-Gesellschaft und US-Politiker vor. Der Albumtitel etwa zitiert die hohle Phrase, die es nach nationalen Tragödien allerorts zu hören gibt. Interessant ist, dass dazwischen Platz für Optimismus bleibt. "Edmund Pettus Bridge" versprüht gleich zu Beginn Hoffnung auf Besserung, obwohl seit der Bandgründung 1986 vieles schlimmer wurde. Musikalisch stehen die Zeichen fast durchweg auf gute Laune, richtig angepisst wirkt Rankin nur auf Spanisch in "Lo Que Sucede". Ansonsten klingen Good Riddance so sehr nach ihren Weggefährten wie nie. Wer sich auf das Spiel einlässt, kann in jedem Song eine andere Band raushören. Allein die erste Hälfte erinnert nacheinander an Bad Religion, Strung Out, Descendents, Satanic Surfers, NOFX und No Use For A Name. Wer das als Kritikpunkt auffasst, hat das Genre nicht verstanden. "Thoughts And Prayers" macht große Lust darauf, alte Helden aufs Neue zu entdecken, vor allem mit der hochmelodischen Hochgeschwindigkeit von "Our Great Divide" und dem ungeahnt poppigen "Wish You Well".

Bewertung: 7/12

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