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0 Autor: Oliver Kube

Jeff Buckley - Mystery White Boy

Mystery White Boy

Ein post mortem veröffentlichtes Live-Album schafft es erwartungsgemäß nicht, die
Atmosphäre eines Buckley jr.-Auftritts in’s heimische Wohnzimmer zu übertragen.


Dass Jeff Buckley ein ganz besonderer junger Musiker war, brauchen wir denen, die ihn und seine Musik kannten, nicht noch einmal zu erklären. Erwähnen sollten wir aber, dass nun - exakt drei Jahre nach seinem Tod durch Ertrinken - ein Live-Album erscheint. Wer das Glück hatte, den Künstler einmal bei einem seiner Auftritte persönlich zu hören und zu sehen, wird allerdings recht schnell merken, dass „Mystery White Boy“ diesem Erlebnis leider nicht gerecht werden kann. Jeff Buckleys Interpretationen seiner Stücke waren an keinem Abend gleich. Er liebte es zu jammen, die Songs (Eigenkompositionen sowie Covers von z.B.
Leonard Cohen und Nina Simone) zu zerlegen, neu zusammenzusetzen und bis in’s letzte auszureizen. Das klappte natürlich nicht durchgehend, wer aber - wie ich beim Hamburger Konzert von 1995, das mit dem Eröffnungstrack „Dream Brother“ auch vertreten ist - dem Künstler quasi Auge in Auge gegenüberstand, konnte tatsächlich sehen, wann und vor allem wie ihn die Muse küsste. Ohne diese optische Hilfe für den Hörer ist eine Live-CD eines Musikers dieser Kategorie allerdings wohl genauso schwer und anstrengend
nachzuvollziehen wie ein vierstündiger Grateful Dead-Auftritt, wenn man nicht dabei war. Insofern ist die parallel erscheinende DVD „Jeff Buckley - Live In Chicago“ wahrscheinlich die bessere Wahl, denn dort kann der Fan Buckley beim Improvisieren nicht nur zusehen, sondern es handelt sich auch um nur einen Abend und nicht um ein Stückwerk aus einzelnen Aufnahmen, die im Laufe eines ganzen Jahres entstanden und erst jetzt zusammengefügt worden sind.

Bewertung: 6/12
Leserbewertung: 8.0/12

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