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Bleached - Don't You Think You've Had Enough?

Don't You Think You've Had Enough?
  • VÖ: 12.07.2019
  • Label: Dead Oceans
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 316 - Schönheit der Ausgabe

Nüchtern betrachtet steckt in Bleached mehr als nur das Beste aus Pop- und Riot-Grrrl-Punk: Ihr drittes Album resümiert nach dem Rausch und öffnet sich neuen Tönen.

Im Rückblick sieht man immer klarer, aber Zeilen wie "I'll bring the pain, will you be my drug?" oder "Hitch a ride with an unknown guy/ Smoking dabs, getting high" vom Vorgängeralbum "Welcome The Worms" (2016) waren an sich deutlich: Bei Bleached lagen Lebenslust und Lebensfrust, das Auskosten und der Eskapismus immer nah beieinander – nur fielen hinter den sonnenbebrillten Melodien und den grungy Gitarren die Augenringe eben nicht so auf. Irgendwann aber zog Sängerin Jennifer Clavin im Sucht-Strudel die Notbremse, der Albumtitel "Don't You Think Youʼve Had Enough?" ist die Frage, die sie sich selbst stellte. Also räumten sie und ihre Schwester Jessica in ihrem Leben und ihrer Band auf: Ohne Bassistin Micayla Grace funktionieren Bleached wieder als Duo, in dem Jennifer Texte und Melodien erledigt, während Jessica bis auf die Beiträge von Schlagzeuger Spencer Lere die Musik einspielt. Dabei spricht schon aus Songtiteln wie "Kiss You Goodbye" oder "Silly Girl", dass die Clavin-Schwestern hier ihre nicht immer glorreiche und gern benebelte Vergangenheit hinter sich lassen. Und das zu einem gewissen Grad auch musikalisch, wenn auch nicht sofort: Der Opener "Heartbeat Away" schunkelt noch mit satt verzerrten Indie-Punk-Gitarren all dem Guten entgegen, das nur einen Herzschlag entfernt wartet, dazu umschlingen einen die Clavin-Schwestern im Refrain mit ihrem betörenden melodischen Gesang. Schon im folgenden "Hard To Kill" aber feiern Bleached den Sieg über die eigenen Dämonen mit einem funky Disco-Beat, trotz grimmiger Untertöne landet das Duo hier nicht zum letzten Mal circa bei Gossip. Wobei Bleached vermutlich eher von ihrer Support-Tour für Paramore inspiriert wurden, deren Pop-Appeal man überall auf "Don't You Think Youʼve Had Enough?" verstärkt spürt. So auch in der wabernden The Cure-Anleihe "Someone Dial 911", in der Bleached sich süßer denn je von den Drogen verabschieden. Punk und Alternative haben trotzdem immer noch eine starke Rolle, "Daydream" kracht mit Pixies-Charme in die eigenen Illusionen, "Valley To LA" webt in den hymnisch-glückseligen Sommergitarren-Rückblick auf den eigenen Lebensweg souverän etwas Country ein und "I Get What I Need" besinnt sich gar dezent auf The Clash zurück. Und wenn Bleached ihre "Awkward Phase" nicht nur zu brummigen Gitarren, sondern auch zu quietschenden Synthies hinter sich lassen, schlägt in dem Song das gleiche Herz wie früher. Nur eben im tanzbaren Pop-Rhythmus.

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