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0 Autor: Daniel Welsch

Necking - Cut Your Teeth

Cut Your Teeth

Großmäuler, übergriffige Chefs, nutzlose Studienabschlüsse: Auf seinem Debüt verschont das Post-Punk-Quartett aus Vancouver nichts und niemanden.

Dass Necking nicht nur austeilen können, zeigt das Ende des zweiten Songs "No Playtime". In den ersten Strophen klagt das Quartett, dass mit fortschreitender Gentrifizierung die (Frei-)Räume der DIY-Kunstszene, der die Band seit ihrer EP "Meditation Tape" vor zwei Jahren angehört, langsam verschwinden würden. Doch Sängerin Hannah Karren ist bewusst, dass sie und ihre drei Kolleginnen zu dieser Entwicklung beitragen: „Who am I to talk?/ Went to private school/ Hung out in dives/ Because we thought they’re cool“. Auch Verfehlungen in Liebesdingen werden in Songs wie "Rover" und "Drag Me Out" offengelegt. Obwohl bei drei der vier Musikerinnen während der Arbeit am Debüt die Beziehung in die Brüche ging, ist "Cut Your Teeth" kein melancholisches Trennungsalbum – sondern zur Hälfte Abrechnung, zur Hälfte Feier der neugewonnenen Unabhängigkeit. Und obendrein sehr witzig. In "Still Exist" muss das wacklige Selbstbewusstsein mit der bestärkenden Wiederholung der Titelzeile aufgebaut werden, wenig später machen sich Necking wieder über diesen Drang zur Selbstoptimierung lustig: "Go Getter" fragt, wie viele nicht ganz ernst gemeinte Ratschläge man in einer Minute raushauen kann. Antwort: 24. Dass die Texte hier als kurze Regeln oder in "Still Exist" und "Rover" als Mantras verfasst sind, hängt aber nicht nur mit dem Inhalt zusammen, sondern auch mit dem ökonomischen Post-Punk des Quartetts. Kantige Gitarrenriffs, geschmeidige Basslinien, ein stoischer Beat – mehr braucht es für 23 Minuten gute Unterhaltung nicht.

Bewertung: 8/12

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