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0 Autor: Benni Bender

Versing - 10000

10000

Revue-Rock als Post-Punk, Noise und Shoegaze getarnt: Versing haben sich bewusst in der Nostalgieschleife ihrer Idole verheddert, um sie für das aktuelle Jahrtausend aufzutauen.

Es ist das alte Lied: Als Rezensent ist man’s eigentlich nur noch leid, Musik immer wieder auf Grundlage ihrer Referenz-Möglichkeiten zu prüfen. Es hat schlichtweg etwas Unfeines, bedarf man zur Vorstellung einer wahnsinnig interessanten Truppe – wie es das Seattler Quartett durchaus sein könnte – Bewertungsskalen und Vergleichsmöglichkeiten. Die Sache ist jedoch die: Wer Pavement, XTC und ganz besonders Sonic Youth je geliebt hat, der wird den fein geschmiedeten Zitaten der aufstrebenden Band etwas abgewinnen können. Wie schon auf ihrem Debüt "Nirvana" (übrigens nicht das schlechteste Name-Advertising, um als Newcomer im Grunge-Mekka in den Fokus der dortigen Musikszene zu rücken) liefern Versing auf "10000" ebenso viele Gründe, um sie unter dem Label Noise einzusortieren: Das Album startet mit einer bis zum Anschlag gepitchten Störfrequenz, schweift ab in resonierendes Stahlsaiten-Gewitter, wobei im Hintergrund spacy Krautrock-Anekdoten aufschimmern. Songs wie "Tethered" wecken mit zunächst friedensbewegteren Pickings Erinnerungen an The Cure, ehe Daniel Salas’ Stimme keinen Zweifel mehr daran lässt, dass hier eigentlich Thurston Moore am Mikrofon steht. Man stelle sich vor, wie vier Typen eine Band gründen, nur weil all ihre Eltern The Smiths gehasst haben. Was dabei rauskommt ist ein wohl aufbereitetes Vergangenheitsdiktum. Das war’s dann aber auch. Mehr Mut zum Alleinstellungsmerkmal täte Versing in Zukunft jedenfalls gut.

Bewertung: 7/12

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