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0 Autor: André Bosse

Gang Of Four - Happy Now

Happy Now
  • VÖ: 26.04.2019
  • Label: Gang Of Four/Rough Trade
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 315

Neuer Electro-Murks der Post-Punk-Helden, die seit Jahren an ihren Ansprüchen scheitern.

Gang Of Four haben in ihrer Geschichte zwei brillante Alben aufgenommen: "Entertainment!" (1979) und "Solid Gold" (1981). Auf der ersten LP befand sich mit "Damaged Goods" der Post-Punk-Song, in dem alles steckt, was diese Denk- und Musikrichtung aussagen wollte. Das Frühwerk der Band aus Leeds bleibt unantastbar in seiner Bedeutung, doch danach – ab 1982 – folgte nur noch Mist. Die Idee, Kapitalismuskritik und Sozialismus mit Pop zusammenzudenken, ist auf dem Papier gut. Die Ausführung von Gang Of Four scheiterte regelmäßig: Die Platten klangen nach dem Plastik, von dem sie sich distanzieren wollten. Sie verweigerten sich jeglicher Wärme, koppelten Konsumkritik mit Synthie-Müll. Auf dem komplett ratlosen Album "What Happens Next" von 2015 ließ Chef Andy Gill (längst das einzige Originalmitglied) Herbert Grönemeyer ein Lied singen. Das hätte sogar funktionieren können, wenn der Song nicht so unendlich öde und statisch geraten wäre. Gill macht trotzdem weiter: Für "Happy Now" hat er zehn neue Songs komponiert und produziert, die mit dem tanzbaren Post-Punk der alten Gang Of Four nichts mehr gemein haben. Stattdessen steht dieser kluge Mensch heute unerklärlicherweise auf Electro-Rock mit dem Charme eines drei Tage alten Käsebrötchens. In den besseren Momenten wie "One True Friend" erinnert das an die Electro-Ausflüge von Franz Ferdinand, viel häufiger pluckert die Musik ziellos umher und ringt nach Bedeutung. "Ivanka: 'My Name's On It'" ist inhaltlich ein kluges Trump-Bashing, wird musikalisch aber so ungelenk in Szene gesetzt, dass die hübsche Refrain-Melodie nur zu erahnen ist.

Bewertung: 3/12

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