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Psychedelic Porn Crumpets - And Now For The Whatchamacallit

And Now For The Whatchamacallit
  • VÖ: 31.05.2019
  • Label: Marathon
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 315 - Schönheit der Ausgabe

Von Europa aus gesehen liegt Australien am Ende der Welt. Für Psychrock ist der Kontinent aber derzeit der Nukleus des Universums, aus dessen Mitte die Psychedelic Porn Crumpets entsprungen sind.

Wer wissen will, wie das Quartett schwingt, schaut sich am besten das Video zu "Keen For Kick Ons" an: eine bunte Fimo-Welt, in der sich Arcade-Gaming mit Zitaten aus der Film- und Musikwelt verschränkt. Ein Referenz-Himmel, der den Weg an die australische Westküste weist. In Perth gründet Sänger und Gitarrist Jack McEwan die Psychedelic Porn Crumpets. Nachdem er sich dort für einen Schein an der Universität und mit Tame Impala im Kopf eine fiktive Band und das Marketing dafür ausgedacht hat, fragt ihn sein Dozent, was denn mit der Musik dazu sei. Noch am gleichen Tag setzt sich McEwan hin und schreibt die ersten Songs für die Psychedelic Porn Crumpets, darunter "Cornflake", der bekannteste Song ihres Debüts "High Visceral Vol.1" (2016). 2017 folgt der zweite Teil, den McEwan mit Luke Reynolds am Bass, Danny Caddy am Schlagzeug und Luke Parish an der zweiten Gitarre in seiner Wohnung einspielt. Ihm kommt dabei zugute, dass er zwischenzeitlich nur noch an elektronischer Musik interessiert ist und sich Zuhause ein Studio eingerichtet hat. Einem Konzert der Red Engine Caves, das McEwan sieht, ist es zu verdanken, dass er doch wieder die Gitarre in die Hand nimmt. Es wäre zu schade gewesen, denn "And Now For The Whatchamacallit" zeigt die ganze Palette der Möglichkeiten, die das Instrument bietet, vor allem, wenn man sich mit einem weiteren Gitarristen duelliert. Musikalisch kann man sich die Psychedelic Porn Crumpets wie die Schnittmenge aus Tame Impala circa zu "Lonerism"-Zeiten und der aktuellen Version von King Gizzard & The Lizard Wizard vorstellen. Die Songs sind prall gefüllt mit Gitarren-Hooks, mal zweistimmig, mal gegeneinander, mal im Geiste Tony Iommis, mal auf den Spuren Hendrix’ - aber immer hoch unterhaltsam und im Dienste des Songs. Gitarrensolos hört man auf dieser Platte so gut wie keine, denn eigentlich spielen beide Gitarre ununterbrochen solo, etwa in "Social Candy", in dem die Band ihren Sound um Zappa’eske Geräusche und Flaming Lips-artige Effekte erweitert. Die Entwicklung ist enorm, die das Quartett im Vergleich zu den beiden guten, aber nicht derart verdichteten Vorgängern genommen hat. Das kann einen überfordern oder auf eine Reise mitnehmen, von der man schnell nicht mehr zurückkehren möchte. Denn an jeder Ecke gibt es Melodien zu entdecken, die man unwillkürlich mitpfeift, -summt oder -singt. Und dazu auf einen Spielautomaten drischt.

Leserbewertung: 9.0/12

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