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0 Autor: Martin Iordanidis

Cave In - Final Transmission

Final Transmission
  • VÖ: 07.06.2019
  • Label: Hydra Head
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 315 - Schönheit der Ausgabe

"Final Transmission" sendet auf verdammt vielen Frequenzen: erstes Album nach acht Jahren, musikalisches Testament von Bassist Caleb Scofield, Trauerarbeit, Extrakt aus über zwei Jahrzehnten Songwriting. Schlimmstenfalls Cave Ins Sendeschluss.

Man stelle sich ihre 24 Jahre Bandgeschichte als Vulkanausbruch vor: das Gasgemisch aus Hardcore und Prog der frühen Veröffentlichungen "Until Your Heart Stops" und "Beyond Hypothermia", das etablierte Szenen gleichberechtigt verstören will. Die Funken stiebenden Spektakel auf "Jupiter" und "Antenna", zu denen sich Alternative-Welt und Majorlabel auf ein gemeinsames Feuerwerk einigen können. Dicke Trümmer, die Stephen Brodsky und Scofield als treibende Kräfte von der alten Labelheimat Hydra Head aus mit "Perfect Pitch Black" und "White Silence" danach einschlagen lassen. Unberechenbar bleiben die Bandmitglieder auch, wenn rauchende Nebenkrater wie Mutoid Man oder Nomad Stones kleinere Steinhagel ausspucken. Und dann: Stille und Asche.

Der tragische Unfalltod von Scofield im März 2018 zerschneidet nicht nur das Herz seiner Familie, von Musikerkollegen und Fans weltweit. Er führt auch zu einer musikalischen Zäsur, die Cave In auf "Final Transmission" etwas tun lassen, wofür während der kreativen Dauerexplosion davor selten Zeit war: innehalten. Das Album, das ursprünglich als Sammlung von Demosongs gedacht ist, rückt durch seine Begleitumstände so in die Nachbarschaft des tiefschwarzen Grunge. Hier ist neben Brodskys Genie und Galle auch Platz für Tränen, die mindestens den Albumauftakt aus "All Ilusion" und "Shake My Blood" durchtränken. Brodsky wartet in "All Illusion" nicht einmal das Endes des ersten Taktes ab, bis die erste klagende Textzeile aus ihm herausschießt. Statt einer dritten Strophe überlässt Brodsky den Raum Scofields letzten Tonspuren. Der verwischt darin die Grenze zwischen Bassläufen und -Solos in rasanten Tempi.

Dass Scofield auf sechs der neun Songs am Bass und an zwei weiteren noch an der Gitarre zu hören ist, vergegenwärtigt immer wieder die emotionale Dramatik, unter der "Final Transmission" entstanden sein muss. Gleichzeitig umgibt das Album die morbide Faszination, je zur Hälfte im Tod und im Leben zuhause zu sein. Der kurze Opener und Titeltrack besteht aus einer Sprachnachricht, in der Scofield eine frische Song-Idee ins Mikro summt. Mit ähnlicher Zufallsfotografie endet das Album später auch: Viel deutlicher als Proberaum-Aufnahme erkennbar als der Rest, fletschen Cave In in "Led To The Wolves" die Zähne wie auf einem zornigen Converge-Album. Ein Fotoalbum mit lichterloh brennenden Seiten.

Leserbewertung: 9.0/12

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