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0 Autor: Sebastian Berlich

Tripsitter - The Other Side Of Sadness

The Other Side Of Sadness

Familienfoto mit Teenage-Ängsten: Tripsitter exorzieren ihre Dämonen in der Enge einer Hütte und den Weiten elegischen Post-Hardcores.

Knuddelig sehen die Fratzen auf dem Cover ja schon aus, ganz im Stil des Tim-Burton-Emo-Chic, den es Mitte der 00er Jahre auf Myspace-Profilen zu bestaunen gab. Mehr über "The Other Side Of Sadness" verrät jedoch die hinter der Szenerie aufsteigende, neblige Schwärze, in der auch die Songs des Quartetts spielen. Die schwanken so stark in ihrer Länge, ziehen Motive nach sich und strecken eigentlich fertige Stücke ("Always"), so dass riesige Klangräume entstehen – betont noch von dem Raum, den sich die Instrumente lassen und den Tremolo-Gitarren ebenso wie luftiges Stakkato-Schlagzeug immer wieder aufreißen, wenn es emotional zu dicht wird. Da sind wir nämlich schnell in der Hütte in den Bergen, in denen Tripsitter ihr Debüt fast ein bisschen zu passend aufgenommen haben. Wie eng es dort gewesen sein könnte, vermittelt Sänger Meinhard Traxler, dessen Stimme konsequent am Rand des Kollapses agiert und der zwischen "Violet" und "Of Flowers" in der fantastischen Mitte des Albums einfach den Raum verlassen muss, um scheinbar isoliert von den anderen voll auf Expressionismus setzen zu können. Gerade in einem Zusammenspiel, das solche Situationen zulässt, und der Stilkombination liegt der Zauber dieses Albums, dessen Masche jedoch noch weiter getrieben werden könnte: Die knallende erste Strophe von "Remains" zeigt, was Metal der Band noch zu bieten hat, während Traxler auch mal die anderen Kapitel des Jordan-Dreyer-Lehrbuchs studieren dürfte. "The Other Side Of Sadness" frustriert jedoch zum Glück nicht, sondern verspricht.

Bewertung: 8/12

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