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0 Autor: André Bosse

Big Thief - U.F.O.F.

U.F.O.F.

Folk-Country-Sadcore-Meisterwerk über die Macht des Unbekannten.

Im vergangenen Jahr hatte Big-Thief-Sängerin Adrianne Lenker ein vorzügliches Emo-Folk-Album vorgelegt, und es wäre okay gewesen, wenn sie danach erst einmal Pause gemacht hätte: Solche Songs schreibt und spielt man nicht mal eben so. Doch weniger als ein Jahr später erscheint nun schon das dritte Album ihrer Band, und wer denkt, die Intensität leide unter diesem Rhythmus, ändert seine Meinung, sobald die Platte mit "Contact" anläuft: ein langsames Stück zwischen Folk und Country, das behutsam Spannung aufbaut, die dann eine Minute vor Schluss von einer elektrischen Gitarre gelöst wird. Lenker schreit im Hintergrund, der emotionale Ausnahmezustand des Sadcore ist weiterhin eingebettet in diese Musik, wenngleich er nur noch sehr selten so offensichtlich ausbricht. Die allesamt meisterlichen Songs auf "U.F.O.F." handeln von Unbekannten, die auf diese Welt kommen und durch ihre Fremdheit alles infrage stellen. Die Kernfrage lautet: Was bleibt übrig, wenn sich Wesen nicht verstehen, wenn sie keinen Weg der Kommunikation finden – Liebe oder Hass? Big Thief plädieren für Ersteres, jedoch nicht naiv, sondern in Form einer Utopie, die das Scheitern genauso integriert wie die überweltliche Schönheit. Der Titelsong klingt wie Kate Bush ohne Kunstanspruch, "Cattails" nach einer uralten Folkballade. Ein diffuses Licht durchflutet diese Songs, auf "Jenni" ist es verschwunden, hier tasten sich Big Thief durch die Dunkelheit und es entsteht eine düstere Hymne, die an die Red House Painters oder Bedhead erinnert und das Herz an Stellen berührt, die kaum eine andere Musik erreicht.

Bewertung: 10/12

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