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0 Autor: Britta Helm

Nilüfer Yanya - Miss Universe

Miss Universe
  • VÖ: 22.03.2019
  • Label: ATO/Pias/Rough Trade
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 313

Zu spät, da war das Feuilleton mal schneller. Ihr altkluges Indierock-Debüt veröffentlicht Nilüfer Yanya trotzdem noch.

Wer sich auf Geheimtipp-Festivals, in kuratierten Radiosendungen und auf Zeitungsseiten mit gesellschaftlichen Aufhängern herumtreibt, weiß natürlich längst, dass Yanya noch ganz groß wird. Die junge Londonerin schreibt Songs, die weise und unaufdringlich genug sanften Indierock mit Jazz, Soul und Folk mischen, um die gediegenen Massen für sich zu gewinnen, und dabei cool genug für ihre eigene Generation ist. Eine Zadie Smith an der Gitarre? Ihr Debüt ignoriert die Vorschusslorbeeren jedenfalls klug und findet eine eigenwillige Form, die so nun niemand erraten hätte: Anrufbeantworter-Nachrichten einer fiktiven Firma namens WwayHealth rahmen "Miss Universe" ein und unterbrechen es; die Titelfigur gibt mit freundlicher Roboterstimme Anweisungen für ein besseres Leben: „Congratulations, you have been chosen to experience: paradise. As part of our What-will-you-experience-giveaway. Please remember at all times whilst moving forward, don’t look back and don’t forget to leave a review in the comment section“. Ist das ein harter Gegensatz zu den Songtexten, in denen Yanya über Faszinationen, Obsessionen und Ängste singt, oder sind es Zwischenüberschriften? In ihrer Musik jedenfalls fühlt sich Yanya ganz offensichtlich gerade deshalb wohl, weil sich pochende Beats, schnoddriger Britpop und feinster R’n’B dort nicht ausschließen. "Miss Universe" wirft 1a-Indierock in den Raum, singt zum Saxofon über Partydrogen und tänzelt leichtfüßig über düsterste Zeilen: „If it’s not you/ I’ll be lying in a pool of/ Someone else’s blood“. Geht sehr klar.

Bewertung: 8/12

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