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0 Autor: Juliane Kehr

Marissa Nadler - Droneflower (mit Stephen Brodsky)

Droneflower (mit Stephen Brodsky)

Die Chemie stimmt: Stephen Brodsky bereitet den klanglichen Nährboden, auf dem die Stimme von Gothic-Folk-Sängerin Marissa Nadler zu dunkler Schönheit erblüht.

Beide entfernen sich bei diesem gemeinsamen Projekt ein ganzes Stück von ihrem gewohnten Terrain: Während Nadler sich darauf einlässt, auch mal hinter Gitarren und Klavier jenseits von harmonischen Arrangements in den Schatten zu treten, ist es für Brodsky neben Bands wie Cave In und Mutoid Man eine weitere musikalische Richtung, in die er seine nimmermüden Fühler ausstreckt. Einen ersten Vorgeschmack bildet der wie glänzender Teer vorankriechende Opener "Space Ghost I", dessen böser Zwilling drei Songs weiter lauert: Nadlers Intonationen sind in diesem ersten Klangfragment im Hintergrund zunächst nur zu erahnen, bevor sich Klavier und Stimme umeinander schmiegen. Das folgende "For The Sun" erinnert mit seinen drastischen, harten Gitarren und dem winselnden Gesang an Chelsea Wolfe: „And I’m waiting for the sun to fall“, haucht Nadler, während der in Lagen geschichtete Gesang in mehrere tonale Varianten zerfasert. Muten die meisten Songs wie einzelne Seiten eines sehr düsteren Tagebuchs an, sticht das Guns-N'-Roses-Cover "Estranged" mit über sieben Minuten heraus: Jenseits der breitbeinigen Rockergesten des Originals kleiden Nadler und Brodsky den Song in ein anrührendes, durchscheinendes Gewand. Insgesamt beherrscht ein außergewöhnliches Gespür diese Platte: Beide Künstler begegnen einander auf Augenhöhe, als würden sie sich zufällig über den Weg laufen, dabei aber bis auf wenige Ausnahmen genau wissen, woher der andere kommt und wohin er will.

Bewertung: 8/12

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