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Raketkanon - RKTKN #3

RKTKN #3

Belgiens düsterer Synthesizer-Schlund von einer Noiserock-Band öffnet sich zum dritten Mal – und beschert seinem Horrorsound mit Indie-Anklängen noch mehr Fallhöhe.

Wer wie Raketkanon für ihr zweites Album "Rktkn #2" (2015) mit Noise-Meister Steve Albini aufgenommen hat, ist in Sachen Härte und Direktheit tendenziell am Limit, muss musikalisch breiter gehen, um sich nicht zu wiederholen. "Rktkn #3" balanciert seine erprobt irren Elektro-Noiserock-Ausraster nun häufiger mit Songs aus, deren (Akustik-) Gitarren auch in Richtung Indie-Ballade oder Alternative-Rock-Intro abbiegen könnten, und die mit Flüstergesang von Sänger Pieter-Paul Devos stets subtil unterhalb der Angstschwelle brodeln. Von Anfang an fällt dabei auf, wie viel mehr Groove als zuletzt die Single Ricky nochmal mitbringt, und wie viel variabler und tonal ausgefeilter das Keyboard seine Akzente setzt. Und dann stehen eben Songs wie "Fons" und "Mélody" nebeneinander: ersterer ein schleppendes Noiserock-Brett, mit elektrisch überladenen Gitarren, abwärts taumelndem Brecher-Riff und wirrem Beschwörungsgesang zwischen albernem Kind und Horrorclown; letzterer wie eine fluffige Roadtrip-Akustikgitarren-Nummer, mit ein paar dicken Synthie-Tupfern, der Gesang ein stetes Raunen, alles aber eher melancholisch als bedrohlich. "Hannibal" eskaliert nach Hi-Hat- und Brummton-Intro plötzlich völlig im blechernen Noise-Stakkato, Lou setzt fahles Klavier und die Düster-Variante eines Elliott-Smith-Songs dagegen. Und sie funktioniert, diese Erweiterung des Dynamikbereichs, die Raketkanon vielseitiger und beide Extreme intensiver klingen lässt. Fehlten nur noch die Hits – wenn man sowas im Noiserock denn bräuchte.

Bewertung: 8/12

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