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0 Autor: Markus Hockenbrink

Honeyblood - In Plain Sight

In Plain Sight

Der Chamäleon-Anzug vom Cover sitzt hauteng. Die Songwriterin aus Glasgow verleibt sich zeitlose Popstile ein, hinter denen ihre eigene Stimme oft verschwindet.

Natürlich nicht das Western-kompatible Organ an sich. Auf ihrem dritten Album fühlt sich Stina Tweeddale inzwischen selbstbewusst genug, um über ihre elf neuen Songs zu stiefeln wie Nancy Sinatra einst über ihren Verflossenen. Seit Schlagzeugerin Cat Myers das Projekt zugunsten eines Schlagzeug-Jobs bei Mogwai verlassen hat, ist Honeyblood jetzt auch offiziell das alleinige Vehikel der Sängerin. Die hat für ihren Musikentwurf zwei direkte Vorbilder vor Augen: Erstens einen leicht scharfkantigen Indie-Pop-Sound ohne Verfallsdatum, der stets ein bisschen nach Garage klingt, selbst wenn Produzenten-Allrounder John Congleton inzwischen die Regler Richtung Popglanz schiebt. Und zweitens den kaltschultrigen Late-60s-Vamp, dem andere Leute mit Haut und Haaren zu Füßen liegen. "Tarantella" ist ein gutes Beispiel: Klingt wie die The Black Keys, handelt aber davon, wie Tweeddale über ihre weiße Haut nachdenkt, was sich die Blues Brothers auch mit noch so verstärkten Gitarren nie trauen würden. In "Full Sight" spielt einerseits auf die Take-it-or-leave-it-Haltung an, mit der die Sängerin mindestens kokettiert, und zweitens auf die Einflüsse, mit denen sie dabei hantiert. Die kann man sich vorstellen wie The Kills mit mehr Melodien und weniger Militanz. Besonders weit ist die Spannweite der Musik trotzdem nicht. Tweeddale wechselt die Gewänder, die Songs wirken jedoch oft ausgestellt und zweckdienlich. Die latente Gefahr, die ein Name wie Honeyblood suggeriert, bleibt an der Oberfläche.

Bewertung: 5/12

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