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0 Autor: Gerrit Köppl

Angel Du$t - Pretty Buff

Pretty Buff
  • VÖ: 15.03.2019
  • Label: Roadrunner
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 313 - Schönheit der Ausgabe

"Pretty Buff" von Angel Du$t gehört zu den spannendsten Hardcore-Alben der jüngeren Zeit. Ja, dieser manische Britpop-Verschnitt aus Maryland mit Bongos und Saxofonen ist eigentlich Hardcore, dafür gibt es Indizien.

Angel Du$t ist das bereits um 2013 herum gegründete Nebenprojekt von Mitgliedern der Hardcore-Bands Turnstile und Trapped Under Ice. Im Gegensatz zum viel härteren, Moshpit orientierten Sound der beiden Baltimore-Bands pflegen Angel Du$t auf ihren ersten Veröffentlichungen schnörkellosen Youth-Crew-Spirit mit Pop-Punk-Anleihen – perfekt, um im Vorprogramm der anderen die Stimmung zu lockern und dann langsam anzuheizen. "Pretty Buff" (deutsch: ziemlich muskulös) scheint davon musikalisch erst ganz weit entfernt, und trotzdem schlagen zu den neuen Songs Hardcore-Kids in Achselshirts und Madball-Shorts Saltos von der Bühne. Wie das? Das von Will Yip (La Dispute, Title Fight) produzierte Album beginnt mit einer Akustik- und E-Gitarren-Combo aus der Noel Gallagher-Schule, inklusive Bruder Liam am Schellenkranz. Frontmann Justice Tripp, der sonst bei Trapped Under Ice oberkörperfrei ins Mikro brüllt, säuselt melodisch und mehrstimmig "I don't think it's fair" vor sich hin, während sich hinter ihm Percussions ausbreiten. Das geht mit viel Swing in den flotten Country-Punk von "Big Ass Love" über, einem Song über niedliche Haustiere. Und dann kommt mit "On My Way" der erste, richtige Hardcore-Song. Okay, man braucht zugegeben ein wenig Fantasie, um das zu erkennen, aber nicht viel: Einfach das Riff zum Eingang verzerrt vorstellen, das Schlagzeug doppelt so laut, Tripps Kinderlied-Melodie als aggressiven Sprechvortrag und die rhythmischen Glöckchen als Gang-Shouts. Der Breakdown zum Schluss ergibt dann automatisch Sinn. Die Blaupause ist unverkennbar Hardcore, Angel Du$t nehmen nur ganz andere Instrumente und Effekte in die Hand als alle anderen. Mit Holzblöcken, Kuhglocken und Agogos für den Punkrock-Samba "Five", mit Saxofon für den Motown-Drive in "Bang My Drum" und den Smooth-Jazz-Touch von "Take Away The Pain", mit Gotye-Anleihen für das folkige "Want It All" und lauter Rasseln, Triangeln und Kinderklaviere als Sounds für den kindlich-positiven Humor, mit dem Angel Du$t jede Erwartungshaltung auf dem Kopf stellen. Immer wieder geben sie das Signal: Das hier ist eigentlich Punkrock, also springt! "Pu-pu-pu-pu-push it to the limit", rufen sie in "Push", brüllen "urghs" und "arghs" vor jedem Breakdown-Knall, feuern sogar auf Platte ihr Publikum an. Die Zukunft des Hardcore? Das sind Angel Du$t vielleicht nicht. Dafür aber der verrückteste, spaßigste und mutigste Genre-Auswuchs seit langem.

Leserbewertung: 7.8/12

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