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0 Autor: Florian Zandt

Ageist - Babyface

Babyface

Mittelalte Männer machen objektiv altmodischen Post-Hardcore und treiben es mit den sprechenden Namen auf die Spitze. Klingt nach einer Randnotiz? Nicht, wenn man so wie Ageist ordentlich draufkleckert.

Der erste dieser Krachkleckse, mit dem die Band ihr Debüt eröffnet, dauert knapp 25 Sekunden: Gitarrenfeedback und halb danebengeschrammelte Akkord-Schlaglichter, gefolgt von übereinander geschichteten Melodien zwischen Dissonanz und Drive – Opener gehen auch langweiliger. Dabei dürfte "Babyface" bei Freunden von 90er-Post-Hardcore sowieso runtergehen wie Öl. Nicht nur, dass bereits der Opener "Lead Legs" Bands wie Hot Snakes oder Quicksand in einen Topf wirft und mit der groben Kelle in scharfkantige Noisecore-Portionen zerteilt. Auch Gitarrist Arty Shepherd von Errortype: 11 und Thursday-Schlagzeuger Tucker Rule, die hier kräftig mitmischen, tragen zur Kredibilität der „neuen“ Band bei. Ganz so altbacken, wie es die Begleitumstände und eben auch der Bandname versprechen, der darauf anspielt, Menschen auf ihr Alter zu reduzieren, ist "Babyface" aber nicht. Der Titelsong etwa holt The Dirty Nil ins Boot und lässt sie Blutsbrüderschaft mit den gekeiften Momenten von Sparta schließen. "USA Vs USSR" hingegen empfiehlt sich mit seinem schiefen Start-Stopp-Zwischenspiel allen Mathrock-Fans, bevor es in Richtung Drive Like Jehu weiterprescht. So ganz kann das All-You-Can-Listen-Büffet aber nicht zünden. Denn der Dampf vom Anfang nutzt sich spätestens ab der Hälfte etwas ab. Als kleiner Nostalgietrip im verbeulten Van funktioniert "Babyface" aber trotzdem. Und wenn man nicht zu lange in den Rückspiegel blickt, fallen die Krähenfüße um die Augen gar nicht auf.

Bewertung: 8/12

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