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The Chemical Brothers - No Geography

No Geography

25 Jahre nach "Exit Planet Dust" haben The Chemical Brothers ihr altes Equipment vom Dachboden geholt. Das führt auf "No Geography" zu einer Verschiebung: weniger big, mehr Beat.

So langsam wird es einsam um die Chemical Brothers: The Prodigy stehen vor einer ungewissen Zukunft, Fatboy Slim tritt nur sporadisch als DJ auf, Junkie XL ist nach Hollywood ausgewandert. Tom Rowlands und Ed Simons reagieren darauf, indem sie an ihren Anfang zurückgehen: Im Studio haben sie für ihr neuntes Album die Geräte aufgebaut, mit denen sie bereits ihr genredefinierendes Debüt produzierten. Wären sie keine Wegbereiter des Big Beat, man könnte "No Geography" als Versuch auffassen, kleinere Brötchen zu backen. Zuletzt musste bei ihnen alles größer sein und durch Gäste kompensiert werden, dass sie nicht gut tanzen können. So waren etwa auf "Born In The Echoes" Beck, Q-Tip und St. Vincent zu hören. In dieser Hinsicht ist "No Geography" sparsamer: Den Gesang übernimmt die Norwegerin Aurora, die den Songs Unterkühltheit à la Røyksopp verleiht. Tatsächlich gelingt es den Chemical Brothers, durch die neue alte Produktionsweise Ballast abzuwerfen. Der Kuhglocken-Funk des Openers "Eve Of Destruction" wirbelt den Staub auf, der sich auf den Geräten abgesetzt hatte, "Mad As Hell" schmatzt so schön schmutzig, als hätten sich die beiden gerade einen Smiley unter die Zunge gelegt. Auch "We’ve Got To Try", das wahlweise als Soundtrack für die „Fridays For Future“ oder Durchhalteparole für Brexit-Gegner taugt, setzt auf oszillierende Basslines. Er verbindet sie aber mit einer Feingliedrigkeit, die zuletzt unter dem Panzer auf dem Cover begraben war, den sich The Chemical Brothers bei Godley & Creme ausgeliehen haben.

Bewertung: 8/12
Leserbewertung: 7.3/12

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Kommentare (3)

Avatar von Streck0 Streck0 02.05.2019 | 14:48

Schade, dass die Platte es nicht ins Heft geschafft hat. Meiner Meinung nach das Beste, was die Jungs seit "Push The Button" geliefert haben. Andererseits wurde letzeres in VISIONS Nr. 143 eher unwürdig verrissen, von daher sollte ich mich vielleicht nicht beklagen. ;-) Stilistisch orientieren sich die Brüder hier klar an den frühen 90er und bei den Synthieflächen gerne auch noch ein Stück in die 80er. Sound und Produktion sind allerdings topmodern. Alles in allem eine ziemlich runde Angelegenheit - eine Prise Elektroaffinität vorausgesetzt.

Avatar von Gerrit Köppl Gerrit Köppl 09.05.2019 | 13:50

Hey Streck0, die Rezension findest du in VISIONS 314 auf Seite 90 - unser Redakteur Florian Schneider hat eine ähnlich positive Meinung zum Album wie du.

Avatar von Streck0 Streck0 30.06.2019 | 20:34

Hi Gerrit. War mir auch schon aufgefallen. Danke für den Hinweis. :-) Die Rezension von Florian kann ich auch unterschreiben. Nebenbei, die Solosachen von AURORA sollte man sich auch mal antun. Ganz interessante Kombinationen von sphärischen Klängen und treibenden Rhythmen.

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