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0 Autor: Christian Wiensgol

Wintersleep - In The Land Of

In The Land Of

Auf "In The Land Of" können Wintersleep nicht ganz an den tollen Vorgänger anknüpfen, machen das aber mit starken Statements wett.

Es ist der schwache mittlere Teil ihres siebten Albums, der nicht ganz so hell strahlt wie "The Great Detachment" von 2016 oder ihr Meisterwerk "Welcome To The Night Sky" von 2007. Das gefällige Schunkeln in "Into The Shape Of Your Heart", das sich hibbelig im Kreis drehende "Never Let You Go" und das ideenlos gesungene "Soft Focus" könnten als Lückenfüller durchgehen, wären die beiden bereits veröffentlichten B-Seiten von "In The Land Of" nicht deutlich besser. Sei’s drum. Davor und danach sind Wintersleep in Topform. Gegen Ende gehen sie neue Wege, was bei "Waves" mit Synthesizer Richtung Dream-Pop groovt und bei "Terror" nach den Foals klingt. Aber vor allem die Albumeröffnung hallt nach: "Surrender" spannt den Bogen zum sperrig schönen Frühwerk und lässt Loel Campbell fast so viele Freiräume bei den Trommelwirbeln wie beim Cover von "Little Drummer Boy". Danach ist "Forest Fire" ein typisch ruhiger Wintersleep-Song, bei dem die Instrumentierung mit Klavier und Slide-Gitarre im Zusammenspiel mit Paul Murphys Gesang eine ganz besondere Sogwirkung entfaltet. Der aufsehenerregende Höhepunkt folgt mit "Beneficiary". Mit Handclaps, rhythmischer Strophe ohne Gitarren und elektronischen Spielereien schließen Wintersleep hier an den Popappeal von "Lifting Cure" an, den Song des Vorgängers mit dem Bee-Gees-Moment. Dazu singt Murphy die politischsten und gleichzeitig persönlichsten Zeilen seiner Karriere: „All my days I wake up, open my eyes/ Beneficiary of a genocide“. Ein reflektierter Umgang mit weißen Privilegien, der gerne Schule machen darf.

Bewertung: 8/12
Leserbewertung: 8.0/12

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