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0 Autor: André Bosse

Vampire Weekend - Father Of The Bride

Father Of The Bride

Luftiges Doppelalbum über die Liebe – inklusive ein paar politischer Seitenhiebe.

Die besten Songs bieten Zeilen, die mit wenigen Worten die ganze Welt erklären. "This Life" von Vampire Weekend ist so einer. Ezra Koenig singt da: „Baby, I know pain is as natural as the rain/ I just thought it didn’t rain in California“. Darin steckt die bizarre Anmaßung, die Liebe, die man selbst erfährt, sei größer und ewiger als die der anderen. Was natürlich Quatsch ist, wie jeder weiß. Und doch tappen viele immer wieder in die gleiche Falle. Wobei diejenigen, die diese Falle umgehen, auch nicht glücklicher sind. Der Song zur Zeile ist eine beschwingt-sommerliche Pop-Miniatur, die auch der älteren Generation mit vielen Van-Morrison-Platten im Regal gefällt. Einige macht die Harmlosigkeit dieser Musik rasend, andere erfreuen sich an der Leichtigkeit des Seins, denn zwar wird auch in diesen Songs betrogen und verarscht, aber immer so, dass man nachher darüber lachen kann. In diesem Sinne entspricht dieser zugleich moderne und nostalgische Indiepop einer Romantic-Comedy, der Titel des Albums ist durchaus als Hommage an das Genre zu sehen, das mit Steve Martins "Father Of The Bride" Anfang der 90er einen Höhepunkt erlebte. 18 neue Stücke bietet die Platte, läuft knapp unter einer Stunde und ist als Doppel-Album gedacht. Gut daher, dass Koenig die Ideen nicht ausgehen. Anders als Rivers Cuomo liegt auch keine fette Schicht aus Ironie über diesen Pop-Entwürfen, die inhaltlich dann und wann den romantischen Kontext sprengen, allen voran "Jerusalem, New York, Berlin", das auf die Balfour-Deklaration von 1917 verweist, der politischen Basis für die Gründung des Staates Israel.

Bewertung: 8/12

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