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0 Autor: Nils Klein / Britta Helm

Backyard Babies - Sliver & Gold

Sliver & Gold

Vier-Ohren-Test

Nein, was für Breaking-News: Die Backyard Babies haben kein neues "Total 13" abgeliefert. Ja na und? Sind wir doch mal ehrlich: Man kann den Backyard Babies nicht ernsthaft vorwerfen, dass sie so klingen, wie sie – übrigens seit Jahren – klingen. Entscheidend ist doch, wo man das neue Album in ihrem Schaffen einsortieren würde. Und "Sliver & Gold" ist besser als das selbstbetitelte 2008er Album, auch als "Four By Four". Das mag daran liegen, dass es die Schweden mit zehn Liedern knackig auf den Punkt bringen. Natürlich gibt es hier keine Überraschungen. Was sollten die denn überhaupt sein? Post-Punk mit Ukulele? Aber, und dieses Wort bitte mal ohne das übliche Geschmäckle zur Kenntnis nehmen, "Sliver & Gold" ist ein souveränes Alterswerk. Übrigens von einer Band, die nicht zum Literarischen Quartett eingeladen werden will, also kann man auch keine eingesungenen Traktate wie beim Debüt von La Dispute erwarten. Der Rock’n’Roll, der hier gespielt wird, schaut mal mehr (vor "Yes To All No" darf man gerne mal "Don’t Fear The Reaper" hören), mal weniger ("Bad Seeds" hätten Social Distortion auch für ihr nächstes Album schreiben können) in den Rückspiegel des Genres. Allein "Shovin' Rocks" kommt sehr überdreht eindimensional daher, allerdings konnte man auch damals schon "Friends" mit Nina Persson und anderen Freunden der Band eher platt finden. Ach so, und dann natürlich noch das Sakrileg in Reinform: Die Band hat eine Ballade geschrieben. Ja, dürfen die das denn? Klar, wer denn sonst.
8/12 Nils Klein

Glückwunsch aber auch. Zum 30. Geburtstag packen die Backyard Babies die Alleinunterhalter-Kiste aus. Wer hat im hohen Alter schließlich noch Zeit, eine Gema-Liste für Social Distortion, die Hellacopters, Kiss, Guns N'Roses und Joan Jett auszufüllen? Bei den Backyard Babies gibt es das alles (und noch mehr!) kompakt auf einem Album. "Sliver & Gold", das passend zur Jubiläumstour der Schweden erscheint, klingt nicht nur wie ein Best-of dieser Band, sondern wie eins sämtlichen Hardrocks, Garage Rocks, Trucker Rocks, Heavy Rocks, Punkrocks und Rockabillys, die in den letzten drei Jahrzehnten irgendwo erschienen sind. Also: ganz unterhaltsam. Aber auch: gar nicht mal so originell. Sänger Nicke Borg pult sich die letzten Anarcho-, Party- und Nonsens-Klischees aus dem Bauchnabel und wirft sie munter akzentuiert in flotte und sehr flotte Songhüllen: „Like a game of chess/ You don’t know the rules of chess“. Damit kriegt man sicher einen Erwachsenengeburtstag, eine Elbstrandparty oder eine dieser Hochzeiten rum, auf denen alle Chucks tragen, aber damit ist auch klar, welche Rolle die Backyard Babies als Band spielen: die der immer austauschbareren Miet-Entertainer, die man runterdreht, wenn erst der Toast und dann Silbermond vom Band kommen. Immerhin bringt "Sliver & Gold" seinen eigenen Rausschmeißer-Song gleich mit: Zur über sechs Minuten langen Klavierschnulze "Laugh Now Cry Later" kann man direkt schon mal die Astra-Flaschen einsammeln und einmal grob feucht durchwischen.
5/12 Britta Helm

Leserbewertung: 3.0/12

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