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0 Autor: Juliane Kehr

Great Grief - Love, Lust And Greed

Love, Lust And Greed

In Reykjaviks Hardcore-Szene sind Great Grief bereits eine feste Größe. Nun treiben Sie ihren fiebrigen Sound-Golem zwischen Converge und The Dillinger Escape Plan auch durch die Gassen jenseits der Vulkaninsel.

Der geißelt, in Liedform gebracht, mit irrem Blick, Gefühle wie Wut und Verzweiflung mal mit Melodien und Klavierakkorden, mal entlädt sich die geballte emotionale Gewalt plötzlich in The Dillinger-eskapistisches Chaos. So erinnern die wie von Sinnen in den Strophen sägenden Gitarren im Opener "Fluoxetine: Burden Me" an die Songs aus Converges "Jane Doe"-Ära, während in der Bridge die in brach liegenden Schmerz getränkte Zeile "Without you I don't live/ I barely flow" Oathbreakers "Rheia" oder dem Gesangstil von Touché Amoré-Sänger Jeremy Bolm ähneln, weit jenseits der Grenzen des klassischen Hardcore. Auch im ausufernden "Escaping Reykjavik" donnern Blastbeats ungebremst in melodische Chöre und ruhige Gesangsparts zerschmelzen in anklagendes Growlen, bis das gesamte Soundkonstrukt schließlich mit kreischender Gitarre irgendwo im Land des Post-Hardcore zum Stehen kommt. Die vier Isländer sind da bereits weitergezogen, um in "Ludge" auch noch Metal mit ins Spiel zu bringen, bevor im abschließenden "Roots (Love, Lust And Greed)" die Dämme brechen, die einem in Songs wie "God Sent" doch noch etwas zu statisch hervorragten. So erklingt in dem sich mächtig aufbäumenden letzten Song der Platte plötzlich ein schräger Flötenton, der sich in die aufeinander einhackenden, verschiedenen Gesangspuren verbeißt und schließlich vom donnernden Schlagzeug niedergeworfen wird. Von der Art dieses verqueren, unerwarteten Abgangs braucht es in Zukunft mehr, der Golem muss wachsen.

Bewertung: 9/12

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