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0 Autor: David Albus

Blackberries - Disturbia

Disturbia

Wer seine Psychedelik gern saisonal kauft, wird mit "Disturbia" von Blackberries glücklich.

Denn musikalisch wie textlich zelebriert das Solinger Quartett herbstliche Melancholie – ohne große Überraschungen, aber auch ohne Enttäuschungen. Krautrock-Beats. Klingelnde E-Gitarren. Orgeln. Mellotrone. Verträumter Gesang. Viel Hall. Im Grunde genügen ein paar Schlagworte, um "Disturbia" klanglich zu umreißen, wofür sich Blackberries bei der anhaltenden Popularität von allem, was retro ist, bedanken dürfen. Aber es ist ja nicht verkehrt, wenn das Publikum das zu hören bekommt, was Albumcover und ausgebleichte Analog-Bandfotos versprechen: Songs, die mit hörbar viel Wissen über und Respekt für die Musik der 60er und 70er geschrieben sind. Die Titel wie "Sphinx I" und "Sphinx II" tragen und mit den dazu passenden Tonleitern hantieren. Die sich mit Vorliebe an stoischen Loops entlang empor schrauben, bis sie sich in einer Improvisation mindestens eines Instruments entladen dürfen. Atmosphärisch bewegen sich Blackberries zwischen der Verspielt- und Verspultheit der frühen Pink Floyd und dem Mystizismus der Doors, ohne in das eine oder andere Extrem zu pendeln. Dass der daraus entstehenden, eher bedächtigen Melancholie der Musik teils recht düstere Texte gegenüberstehen, die – um mal im Bild der Jahreszeiten zu bleiben – gesellschaftlich schon den Winter herannahen sehen, kann man ignorieren: In Songs wie "High Noon" agiert der Gesang als schön arrangierter, verwaschen-verhallter Chor eh mehr als weiteres Instrument. Wer es ernst meint mit "Disturbia", liest im Booklet mit – am besten im Vinyl-Format. Das geht dann notfalls auch bei herbstlichen Lichtverhältnissen.

Bewertung: 7/12

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