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0 Autor: Daniel Thomas

22 - You Are Creating

You Are Creating

22 verschwenden viel Energie, um ihr Konzept-Doppelalbum entsprechend in Szene zu setzen. Das geht zulasten der Musik, die als vermeintlicher Streber-Prog über einen großen Haufen Kitsch stolpert.

Ambitionierte Kurzfilme und multisensorische Auftritte, bei denen die Band UV-Körperbemalung und Geruchskanonen einsetzt, dafür sind 22 seit ihrem Debüt "Flux" nicht nur in ihrer Heimat Norwegen, sondern auch in Großbritannien und Japan bekannt. Beworben wird das als Showkunst, die eine echte Liebe zum Publikum pflegt, wie sie bei progressiven Rock-Acts selten zu finden sei. Um dieser überaus steilen These Rechnung zu tragen, soll für "You Are Creating", das als zweigeteiltes Konzeptwerk in Form von "Limb 1" und "Limb 2" daherkommt, alles noch etwas größer werden. Aufhänger ist das digitale Modul „HAL2200“, das alle Bandmitglieder live spielen, was angeblich die Interaktion zwischen den Musikern erhöht und in Form von Kurzfilmen seine eigene Geschichte erzählen darf. Soweit so ambitioniert. Doch das ganze Tamtam kann letztlich nicht die mangelnde musikalische Inspiration kaschieren, wenn wie im Opener Inspec einem vertrackten, doch längst ausgelutschten Stakkato-Rhythmus biedere Pop-Melodien mit infantiler Stimme übergestülpt werden. Das ist bestenfalls vorgegaukelt progressiv. 22 stehen hier mit Animals As Leaders, Arcane Roots oder Leprous, mit denen das Quartett bevorzugt gemeinsame Sache macht, in einer Reihe von Bands, die ihr technisch anspruchsvolles Handwerk viel zu häufig und leichtfertig kitschigem Popanz preisgeben und sich dann mit frickeligen Prog-Elementen verzweifelt versuchen, in Unschuld zu waschen. Auf unangenehme Weise durchschaubar.

Bewertung: 6/12

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