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0 Autor: Juliane Kehr

Ithaca - The Language Of Injury

The Language Of Injury

Wem Code Orange zu viel aufs Maul hauen und Oathbreaker zu wehleidig sind – solche Menschen soll es ja geben –, dem seien Ithaca ans Herz gelegt.

Das Londoner Hardcore-Quintett um Sängerin Djamila Azzouz steht auf beeindruckende Weise den Spagat zwischen Hardcore-Walze und anrührender Schönheit. Der gelingt Ithaca sogar ohne Anlauf und Aufwärmphase, wie der Opener "New Covenant" beweist: Kreischendes Gitarrenfeedback und sandig schepperndes, unheilverheißendes Trommeln künden davon, dass diese Band fließend Schmerz spricht, und zwar in unterschiedlichsten Genre-Dialekten. Eine Sekunde Stille folgt auf das Intro, damit die Nackenhaare auch Zeit haben, sich richtig aufzustellen, dann springen einen Azzouz' mächtiges Growlen und eine aufgekratzte Gitarre zeitgleich aus unterschiedlichen Richtungen an. Zerrt dieser Einstieg schon an den Synapsen, macht sich "Impulse Crush" gleich eifrig ans Werk, die Behandlung mit eindringlichen Gitarren-Störgeräuschen fortzusetzen, die als kleine scharfe Zäsuren in den galligen Gesang hacken. Auch das folgende "Secret Space" nutzt ein ähnlich angepisstes Gitarrenschema über Schlagzeugsynkopen, die wie eine Herzrhythmusstörung das immer wieder aufbrandende Chaos kontrastieren. Azzouz spielt derweil mit ihrem unglaublichen Stimmvolumen und lässt ihren Gesang in den ruhigen Momenten heiser aus der Ferne durchdringen. Den beeindruckendsten Kontrast schaffen die beiden letzten Songs "Gilt" und "Better Abuse": Kommt in ersterem Azzouz' Klargesang zart und verletzlich zur Geltung, zeigt letzterer fast epische Züge, die über das nur scheinbar chaotische Sound-Schema hinwegrollen und Ithacas Debüt einen würdigen und passgenauen Abschluss bescheren.

Bewertung: 10/12

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