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0 Autor: Matthias Möde

Dendemann - Da nich für!

Da nich für!
  • VÖ: 25.01.2019
  • Label: Universal
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 311 - Schönheit der Ausgabe

Dendemann kann in wenigen Stunden abliefern, wenn es sein muss. Muss es nicht, gibt er seinem Perfektionismus so viel Zeit, bis er „Hatschi“ auf „Versace“ reimen, Hildegard Knef sampeln und Stellung beziehen kann.

Schon in den Eins Zwo-Anfangstagen weiß Dendemann: "Weniger ist mehr!" Auch allein hält er sich daran und veröffentlicht nach rund 15 Jahren Solokarriere nun sein drittes Album. Daran beginnt er bereits 2014 zu arbeiten, vier Jahre nach dem recht schnell verblassenden Rap-Rock-Ausflug "Vom Vintage verweht". Sein Anfang 2015 beginnendes Engagement bei Jan Böhmermanns Neo Magazin Royale bremst "Da nich für!" aus, bringt Dendemann aber auch dazu, wöchentlich abliefern zu müssen. Mit seinen Reimen, die er jeweils in wenigen Stunden schreibt, kommentiert er in jeder Sendung das Zeitgeschehen. Im Dezember 2016 ist Ende: Der Mittvierziger verlässt die Sendung und nimmt Selbstvertrauen und politische Haltung mit. Die ist auf "Da nich für!" so gegenwärtig wie nie zuvor, oft gepaart mit der alten Vorliebe für deutschsprachige oder genrefremde Samples. So sampelt Dendemann in "Zauberland" den gleichnamigen Rio-Reiser-Song und nimmt die Sicht eines Flüchtlings ein, in "Keine Parolen" kritisiert er "transparente Transparente" und die Haltungslosigkeit seiner Generation, dazu sampelt er Slime und zitiert die Goldenen Zitronen. In "Müde" ist der sonst gern schläfrige Dendemann zu Hildegard-Knef-Samples nicht müde, sondern "müde von den Rechten, den Faschos, den Nazi-Parteien". "Zeitumstellung" ruft mithilfe von Beatsteaks-Sänger Arnim-Teutoburg-Weiß dazu auf, sich gegen den gesellschaftlichen Rechtsruck zu stellen. Die Features halten sich insgesamt in Grenzen: In "Alle Jubilare wieder" stimmt Casper mit in die Kritik an Ego-Feiertrips ein, was nicht nur reibeisenstimmtechnisch perfekt passt, sondern auch, weil sich ein Deutschrap-Kreis schließt: 2008 rappte Casper in "Verdammt nah dran (Supermänner)": "Dende, das Idol, es geht sehr, sehr gut". Zwei weitere Features zeigen den HipHop-Rahmen von "Da nich für!", das alte Schule mit aktuellen Entwicklungen vereint und sich damit gut tut: In "BGSTRNG" feiern die Beginner die guten alten Zeiten mit, während Litbarksi mit dem neumodischen "lit", Trettmann und Auto-Tune im Hier und Jetzt verankert ist. Die Konstante sind Dendemanns Texte, die in zwölf Songs ohne Hass und Gangster-Attitüde auskommen, dafür Humor, Selbstironie und zahlreiche geniale Wortspiele umfassen. "Nochn Gedicht" feuert zum Finale blumige Reime raus, liefert "mehr Themen als Chrysan und Ideen als Orch" und eine Liebeserklärung an HipHop, die niemand besser in Worte fassen könnte.

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