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0 Autor: Nina Töllner

Sharon van Etten - Remind Me Tomorrow

Remind Me Tomorrow

Sharon Van Etten zerschießt ihre Pop- Entwürfe neuerdings mit der düsteren Kraft des Synthesizers. „Erinner mich morgen nochmal daran“, ist ein beliebter Spruch vielbeschäftigter Leute.

Zu denen gehört auch Van Etten: In den vergangenen Jahren hat die in New York lebende Songwriterin Psychologie studiert, Filmmusik komponiert, geschauspielert und einen Sohn zur Welt gebracht. Und sie hat ihre Vorliebe für Tasteninstrumente und Electronica entdeckt. Klavier und Orgel gab’s schon auf dem Vorgänger "Are We There"(2014) zu hören. Für ihr fünftes Album hat Van Etten ihr Equipment nun mit Synthies und Drumcomputer aufgerüstet. Während die E-Gitarre nur noch gelegentlich durchscheint, brummt und flirrt, brodelt und pluckert es diesmal am laufenden Band. Der Hauptzweck der elektronischen Texturen ist offensichtlich: Wenn sie nicht grade eine gespenstische Gänsehaut wie in "Memorial Day" hervorrufen, fungieren sie als unheilschwangerer Störfaktor in an sich schönen Pianoballaden wie "I Told You Everything" und "Malibu", wuchtigen Pop-Hymnen wie "Comeback Kid" und lässigen Slacker-Nummern der Sorte "You Shadow". Van Etten mag heutzutage privat glücklicher sein als noch zu Zeiten des schwer beziehungsgeschädigten "Are We There". Das ist für die 37-Jährige aber kein Grund, süßlich und bequem zu werden. So schreibt die Frau mit der immer ein wenig elegischen Stimme einen melancholischen Stadion-Refrain à la "Hands", um ihm dann mit Genuss die schimmernde Oberfläche zu zerkratzen. Für Leute, die gerne mal in großen, schwermütigen Pop-Momenten schwelgen, sich aber zu cool für Florence + The Machine und Coldplay fühlen, liefert "Remind Me Tomorrow" den passenden Kompromiss.

Bewertung: 8/12

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