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0 Autor: Markus Hockenbrink

Jeff Tweedy - Warm

Warm

Wenn Jeff Tweedy den Ärmel schüttelt, purzeln ein Cowboyhut, eine Slide-Gitarre und ein Essay von Booker-Preis-Gewinner George Saunders heraus.

Der hat zum neuen Tweedy-Album ein paar Seiten im "New Yorker" vollgeschrieben, auf denen er den Wilco-Sänger und sein neues Album in den höchsten Tönen lobt. Ein „Krieger für die Liebenswürdigkeit“ sei der Mann, Amerikas „Trost-Dichter“ schlechthin, der mithilfe seiner „essentiellen Jeffhaftigkeit“ innere und äußere Wunden zu heilen vermag. Wahr ist, dass "Warm" tatsächlich in den gemütlichsten Herbstfarben erstrahlt, dass Tweedys zart schmelzende Stimme sitzt wie ein labbriges Lieblingsshirt, und dass die Akustikgitarren den Teil der Seele massieren, der schon immer ein einsamer Cowboy war. Die Rückschau inklusive Meditationen über die Liebe, den Tod und die Möglichkeit eines Himmels ist ein großes Thema auf der Platte, die der Karriere-Retrospektive "Together At Last" von 2017 folgt. Seitdem ist Tweedys Vater Bob verstorben und sein Sohn Spencer alt genug geworden, um auf dem neuen Album das Schlagzeug zu bedienen und seinem Dad bei seiner Jeffhaftigkeit zuzusehen. Die ermöglicht es ihm etwa, einen Song über rote Ziegelsteine zu schreiben, die auch nach Sonnenuntergang noch ein Weilchen warm bleiben, und der damit perfekt zusammenfasst, was den Reiz der LP ausmacht. Über weite Strecken fühlt man sich an die letzten Aufnahmen von Johnny Cash erinnert, doch Tweedys Tonfall ist insgesamt (noch) milder in seiner Melancholie. Das beste Stück kommt zum Schluss: Das brüchige "How Will I Find You" erinnert an gefallene Indie-Helden wie Sparklehorse und Songs: Ohia und geht tatsächlich unter die Haut.

Bewertung: 7/12

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