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0 Autor: Carsten Sandkämper

Kraków - Minus

Minus

Norwegen und Progrock haben ein positives Verhältnis zueinander. Auch diese Band aus Bergen hat sich kopfüber in den Zaubertrank aus Tritonus und Longtracks gestürzt.

Dabei sind Kraków bereits seit 13 Jahren im Grenzgebiet zwischen Metal, Stoner Rock, Sludge und Prog unterwegs. Entschlossen wie nie zuvor haben sie auf "Minus" nun jedoch Metal weitestgehend zugunsten eines Bastards aus Grunge und Gothic Rock verbannt, ihre Songs in den Kontext ausufernden Psychedelic Rocks gestellt und aus dem Material für zwei Alben das für eins herausdestilliert. Tatsächlich klang die Band noch nie zielstrebiger. Alleine der Opener "Black Wandering Sun", mit Gast-Feature von Ex-Motörhead-Gitarrist Phil Campbell, atmet zu gleichen Teilen Hawkwind, Alice In Chains und Deus – eine seltsame Kombination, wenn man darüber nachdenkt, aber absolut schlüssig, wenn man sie hört. In den folgenden 45 Minuten zitieren Krakow Pink Floyd, Motorpsycho, Neurosis und Enslaved in ähnlich seltsamen Zusammenhängen. Doch Zitate sind nicht das, was Krakows Musik auszeichnet. Es ist eine ganz bestimmte Weite und euphorisierende Rhythmik der Stücke, die Minus zu einem stürmischen Album machen. Das instrumentale Titelstück mit seinen fast zehn Minuten ist das eindeutigste Bekenntnis zu Progrock, das drei Gitarristen, ein Bassist und zwei Schlagzeuger abzugeben imstande sind, während Tidlaus mit einer tiefen Verbeugung vor Krautrock und einem neunstimmigen Chor das Album und Krakows Metal-Vergangenheit endgültig abschließt. Zwar ist "Minus" musikalisch nicht ganz so interessant wie das delirische "Amaran" (und die folgende EP "Genesis") von 2015. Das ist allerdings Jammern auf hohem Niveau.

Bewertung: 8/12

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