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0 Autor: Carsten Sandkämper

Mirrors For Psychic Warfare - I See What I Became

I See What I Became

In den drei Jahren seit dem selbstbetitelten Debüt hat der Wahnsinn in der US-amerikanischen Politik und Gesellschaft weiter um sich gegriffen. Hier wird er musikalisch reflektiert.

Die Industrial-Ehe aus Neurosis und Buried At Sea nimmt uns auf ihrem zweiten Album als Geisel. Scott Kelly und Sanford Parker malen mit groben Strichen die Umrisse eines Gebäudes, in dem schlimme Dinge geschehen. Tiersärge stehen in den Gängen, das Licht flackert und die gebückten Gestalten, die hier arbeiten, sind als Clowns verkleidet und sehr schlecht geschminkt. Niemand weiß so recht, worin ihre Arbeit besteht, aber die Maschinerie, die in strengen Viertelrhythmen vor sich hin rattert, verheißt Geschäftigkeit, immer wieder untermalt von bestialischen Schreien. In der Welt der Mirrors For Psychic Warfare hat jede Schönheit ihren Platz gegen Höllenmetaphern eingetauscht. Was bei den Swans noch so etwas wie Menschlichkeit atmet, wird mit "I See What I Became" auf dem Altar der Synthetik geopfert. Dabei geben sich Kelly und Parker nicht länger den formatsprengenden Longtracks hin, die ihr Debüt zu einer Meditation über das Böse machten. Acht streng voneinander abgezirkelte Szenen, jede basierend auf einem Sample-Konstrukt, atmen den Geist von Epigonen wie Front 242, frühen Nine Inch Nails und Godflesh. Natürlich sind Kellys Bildwelten nach 33 Jahren Neurosis erschöpft, es geht um "Crooked Teeth", "Body Ash" oder den" Tomb Puncher". Aber lieber ein Album, für das sich seine Protagonisten nicht verbiegen, als ein Möchtegern-modernistischer Düster-Dubstep-Versuch, der diese Platte auch hätte werden können. Glück gehabt. Oder, um der Atmosphäre des Albums treu zu bleiben: Glück im Unglück.

Bewertung: 8/12

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