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Anti-Flag - American Reckoning

American Reckoning
  • VÖ: 28.09.2018
  • Label: Spinefarm/Universal
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 307

Akustikgitarren-Punkrock hat gerade wieder Konjunktur, aber wenn eine Band das darf, dann Anti-Flag. Sie hätte nur mehr daraus machen sollen.

Ob VISIONS-Akustik-Session für den guten Zweck (2015) oder Anti-AfD-Demo in Köln (2017): Die US-Politpunks beziehen jederzeit bereitwillig auch mit nicht viel mehr als zwei Akustikgitarren Stellung für eine bessere Welt. Leider kompiliert die Band auf "American Reckoning" lediglich Songs ihrer beiden aktuellsten Alben "American Spring" (2015) und "American Fall" (2017) zu einem Panorama der sozialen Missstände – kein "You’ve Gotta Die For The Government", kein "Underground Network", kein "This Is The End (For You My Friend)". Das neuere Material ist zwar schon ab Werk auf Schlachtruf-Hymne geeicht, fröhlicher gelagerte Songs wie "Rascists" oder "When The Wall Falls" plätschern mit Akustikgitarren und zarter Percussion aber trotz klarer Botschaft dahin – zu viel Strandurlaub, zu wenig Guantanamo Bay. "American Attraction" dagegen kommt auch in reduzierter Form angenehm angespannt daher, und auch "Set Yourself On Fire" erhält sich genug Drama. Zu Beginn von "Brandenburg Gate" wirkt es dann kurz so, als würde gleich Joe Strummer seine Version von Bob Marleys "Redemption Song" anstimmen – so roh und pur klingt die erste Minute, bevor die zweite Gitarre hinzustößt und die Band näher ans Mikro rückt. Mit den drei Stromgitarren-Coverversionen am Ende, mit denen Anti-Flag rebellischen Vorbildern huldigen, kippt die durchwachsene Bilanz von "American Reckoning": John Lennons Widerstands-Stampfer "Gimme Some Truth", Buffalo Springfields ewiger Protestsong "For What It’s Worth" und Cheap Tricks "Surrender" enden als uninspirierter Breitwand-Punkrock.

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