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The Prodigy - No Tourists

No Tourists

Vier-Ohren-Test

Die Hooligans des Dance nehmen weiterhin keine Gefangenen – außer sich selbst. The Prodigy verfügen auch deshalb über Crossover-Potential, weil sie all das nicht sind, was man elektronischer Musik gerne vorwirft. Ihre Beats donnern mit der Trägheit eines 20-Tonners, ihre Synthies oszillieren im selben Tonspektrum wie E-Gitarren, zudem pflegen The Prodigy erfolgreich ein Punk-Image. Ihre Drei-Akkorde sind die immer gleichen Sounds, die sie zu stets neuen Überwältigungsstrategien für die Dancefloors der Welt mixen. Wer sonst hat schon das Zeug dazu, Electro-Happenings ebenso als Headliner zu spielen wie ausgewiesene Rockfestivals? Zum Image passen auch die Ramones-artigen Selbstplagiate auf "No Tourists": "Light Up The Sky" klingt wie ein Überbleibsel aus "Music For The Jilted Generation"-Tagen, während "We Live Forever" The Prodigys erstem Hit "Out Of Space" salutiert, wofür sich Lee "Scratch" Perry noch eine CD mehr umhängt. 2018 klingt das aus Sicht der fortschrittsgläubigen elektronischen Musik natürlich überholt, im Kanon der wertkonservativeren Rockmusik rennt man damit offene Türen ein. Überhaupt macht "No Tourists" den Eindruck, als wüssten Liam Howlett & Co. genau, dass sie ihre Meisterwerke bereits abgeliefert haben und deshalb vor der Aufgabe stehen, ihr Erbe würdig zu verwalten. Dabei haben The Prodigy einen Grad an Abgeklärtheit erreicht, der es ihnen erlaubt, in einem Song wie "Fight Fire With Fire" ihre eigenen Nachfolger zu installieren: das US-Duo Ho99o9. 8/12 Jonas Grabosch

Aus alt mach oll: Die 90er haben angerufen, sie wollen ihre Breakbeats zurück. The Prodigy waren schon immer eine Nummer für sich, haben Unkreuzbares gekreuzt, mit Reggae und Schlimmerem rumgemacht und sich mit einer energischen Ich-Scheiß-Drauf-Einstellung erfolgreich ihren eigenen Sound modelliert. Und jetzt das: Die drei Rave-Nasen sind offenbar mit einer Zeitmaschine in die Vergangenheit gereist, um dort das Langweilige und Olle ihres Sounds einzupacken und in der Gegenwart ein Album daraus zu machen. Man könnte es das Fischstäbchenprinzip nennen: zusammenkehren, was übrig ist, in Form pressen und etwas mit Nostalgiewert, in dem Fall den Namen der Band, auf die Packung drucken, um es zu verkaufen. Anders kann man sich lauwarme Aufgüsse wie "Need Some1", "Light Up The Sky" und "Timebomb Zone" nicht erklären. Bei "Boom Boom Tap" war anscheinend noch nicht mal genug Ideenreichtum für einen Namen übrig, stattdessen hielt man es für clever, den Song direkt nach dem lahmen Beat zu benennen, der ihn versaut, und dann gleich noch den Text wegzulassen, stattdessen dämlich zu stammeln und ein bisschen zu fluchen. Auf der Haben-Seite steht mit Ach und Krach noch der Song "Fight Fire With Fire", der könnte tatsächlich mit dem ein oder anderen kreativen Funken in Kontakt gekommen sein. Dann kann man allerdings auch gleich "Music For The Jilted Generation" zur Hand nehmen, das dagegen einem gigantischen Feuerwerk gleichkommt und sich die Enttäuschung mit dieser Fehlzündung hier sparen. 4/12 Juliane Kehr

Leserbewertung: 2.0/12

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