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Euternase - L'amour

L'amour

„Die Platte raubt mir den letzten Nerv“, sagt Kollege Schwarzkamp. Und er hat recht. Euternase legen es darauf an, zu nerven – maximal.

„Missgunst“, ist eins der ersten Wörter, die einem Euternase auf "L’Amour" vor die Füße spucken. „Ohne Sterben keine Jugend“, schieben sie im Opener "Guenstig" hinterher. Zentrales Stück dieser kolossal grandiosen Nervplatte ist allerdings "Verbraucht und kaputt": Böse brummelnder Bass, Gitarren-Feedback und ein stoisches Schlagzeug bereiten den Boden, auf dem der Sänger des Quartetts immer wieder eine Zeile wiederholt: „Der Vorreiter der sozialen Isolation“, und das mit einem Taktgefühl, auf das selbst die Gaga-Thrasher A.O.K. stolz wären. Denen würde auch gefallen, dass die bekennenden Nichtprofis von Euternase ihr Album binnen 18 Stunden eingespielt haben – ohne Overdubs und Nachbearbeitung. Nimm das, Pop! Weitere Songs hören auf Namen wie "Sittenstrolch" und "Der Zerfall", mal sind sie "Desorientiert", endlich arbeiten sie mit Nachdruck an der "Lobotomie". „Monotonie und Krebs“ wird darin gebrüllt. Wieder und wieder. Bis der Song plötzlich das Tempo anzieht und schnell wieder in sich zusammenfällt. Die Stimmung ändert sich, „Melatonin und H/ Angstzustände und Aids“ stehen im Raum, bevor sich der Song ein weiteres Mal erbricht. Euternase befinden sich dabei im Zustand maximaler Aufgebrachtheit, die sich aber inzwischen soweit abgenutzt hat, dass sie auch als nihilistische Langeweile durchging. In jedem Fall ist es einer der besten Soundtracks für den wahnwitzigen Irrsinn, der sich derzeit Deutschland nennt. Einfacher ausgedrückt: Wem Friends Of Gas und Die Nerven inzwischen zu arty sind, hat in Euternase seine neue Lieblingsband gefunden.

Bewertung: 9/12

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