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0 Autor: Jakob Uhlig

Empowerment - Bengalo

Bengalo

Bevor Empowerment sich zu sehr in Genre-Standards verlieren, wagen sie sich lieber in musikalische Sphären weit außerhalb ihrer Komfortzone vor.

So könnte man fast meinen, die Stuttgarter würden den Ambitionen des jüngst verstorbenen Rappers XXXTentacion Tribut zollen, wenn sie in "Mensch ist Mensch" zwischen zwei Hardcore-Brechern urplötzlich für zwei Minuten in antifaschistischen Trap ausbrechen. Dieser Eingriff mag inmitten der sonst recht homogenen Klangumgebung von "Bengalo" zunächst irritieren, öffnet aber die Ohren für eine Handvoll von Nuancen, die die Stuttgarter geschickt in ihren Songs platzieren, um sich von ausgelutschten Genre-Klischees zu lösen. Von "Mensch zu Mensch" stellt seinem finalen Ausbruch so etwa den unheilvoll lodernden Rap von Roger Rekless voran, was einen ähnlichen Effekt hat wie Winston McCalls monotone Mantras auf der aktuellen Platte von Parkway Drive, ohne dabei aber deren Gigantismus zu erreichen. Unsere Generation verwendet das breitbeinige Metal-Gitarrensolo ganz unkonventionell nicht als Wachmacher vor der letzten Hook, sondern eröffnet den Song. Und "Unter meiner Haut" kitzelt aus einem Hardcore-Breakdown mit einem aggressiven Rap-Part das Quäntchen heraus, damit sich auch das letzte Nackenhaar sträubt, wobei auch dieser Teil sich bemerkenswert geschmeidig ins übrige Soundbild einfügt. Es sind diese Kleinigkeiten, mit denen Empowerment immer wieder dem engen musikalischen Korsett von Vorbildern wie Madball, Hatebreed & Co. entfliehen können. Zentral an "Bengalo" ist aber weniger musikalische Innovationskraft als die klare Position gegen rechts, die die Band in ihren Texten bezieht. Und solche Songs kann es nie genug geben.

Bewertung: 7/12

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