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0 Autor: Britta Helm

Mitski - Be The Cowboy

Be The Cowboy

Wie einsam kann sich üppiger Indierock anfühlen?

„My god, I’m so lonely“, singt Mitski in der eigentlich sehr beschwingten Single "Nobody", „So I open the window/ To hear sounds of people.“ Sie selbst bleibt unter sich. Zwei Jahre nachdem "Puberty 2" sie endgültig zur Lieblingskünstlerin von Lorde, den Pixies, Iggy Pop und sämtlichen Feuilletonisten gemacht hat, baut sich die Amerikanerin auf "Be The Cowboy" ein Fort aus allem, was sie am besten kann: Dreampop-Flächen, zarte Folk-Momente, elektronische Trabrhythmen, dramatische Ausbrüche, 80s-Prom-Feeling und schwungvolle Proll-Gitarren. Ihre Stimme, die meist sehr geradeheraus singt, nur um dann umso überraschender zu flüstern oder zu jubilieren, habe sie im Studio absichtlich nicht gedoppelt, sagt sie, um den Kitsch des einsamen Menschen auf der Bühne zu wahren. Kein Wunder, dass sie dabei noch mehr als auf den Vorgängeralben an andere einsame Erzähler wie Okkervil River, Jenny Lewis, St. Vincent oder Emmy The Great erinnert. Als hätte sie am Ende eines Musicals noch nicht alles gesagt, stellt sich Mitski mit ihrer Gitarre vor den Vorhang und setzt zu einem wunderbar mäandernden Zwei-Minuten-Stück nach dem nächsten an. Allerdings: Ihre Geschichten sind erfunden. So privat es auch klingt, wenn Mitski etwa in "Pink In The Night" singt: „I could stare at your back all day/ And I know I’ve kissed you before/ But I didn’t do it right/ Can I try again?“, so sehr besteht sie darauf, dass sich auf "Be The Cowboy" ausgereifte Kunstfiguren in ihre Erzählungen geschlichen haben. Der Unterschied zwischen Realität und Fiktion spielt bekanntlich keine Rolle, solange man wahrhaftig bleibt.

Bewertung: 9/12

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