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0 Autor: Markus Hockenbrink

Hater - Siesta

Siesta

Es ist eine gute Zeit für introspektiven Indiepop mit melancholischen Lofi-Melodien und ehrlichen Hifi-Emotionen. Hater aus Schweden treten als nächste durch die Tür, durch die neulich schon Soccer Mom, Snail Mail und Lucy Dacus gekommen sind.

Und "Siesta" lässt sich wahrlich nicht lumpen. Ganze 14 voll ausformulierte Stücke finden sich auf der zweiten LP der Band, die klingt wie die Tagträumereien jedes Belle-And-Sebastian-Covermodels ever. Sängerin Caroline Landahl hat eine sehr hohe, leicht weggetretene Stimme, die sich anhört, als würde sie permanent bäuchlings auf ihrem Bett liegen und mit den Füßen wackeln, während sie sich überlegt, ob man das mit der Liebe wirklich machen oder doch besser ein Buch darüber schreiben soll. Fürs erste entscheidet sie sich für den Mittelweg und fertigt Songs an, die man in ihrem unaufdringlichen Charme zunächst überhören kann. Mit ein wenig Muße – und einer Vorliebe für die Kitchen-Sink-Poesie kleiner Indiebands – bemerkt man aber schnell, dass Hater fast jeder ihrer nur scheinbar naiven Twee-Pop-Preziosen einen musikalischen Mehrwert beimischen, der ein raffiniertes Songwritingtalent offenbart. In "Things To Keep Up With" ist es ein schlau eingefügter organischer Dance-Beat, in "I Wish I Gave You More Time Because I Love You" eine sanfte Trompetenfigur, in "All That Your Dreams Taught M"e ist eine Art Froschchor mit von der Partie und auf "Why It Works Out Fine Landahls" dezent malträtierte Stimme. Von der kann man auf die volle Distanz zwar etwas zu viel kriegen, aber wenn man seine eigenen Gefühle demnächst auf dem Textblatt von "Siesta" wiederfindet, sieht das vielleicht wieder ganz anders aus.

Bewertung: 8/12

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