Zur mobilen Seite wechseln
0 Autor: Christian Wiensgol

Schmutzki - Mehr Rotz als Verstand

Mehr Rotz als Verstand

Stumpf ist manchmal eben doch Trumpf. Zumindest solange Schmutzki ansteckende Melodien schreiben und das dringende Bedürfnis haben, sich freizuspielen.

„Es ist sturmfrei/ Partygeil/ Alle Spackos, kommt vorbei!“ Wer Schmutzkis Festival-erprobten Partyhedonismus bisher nervig fand, wird auch nach den ersten drei Sekunden (!) von "Mehr Rotz als Verstand" die Augen verdrehen – und wieder das Augenzwinkern übersehen, von dem das gesamte Schaffen der drei Stuttgarter zumindest dezent durchzogen ist. Ist natürlich alles nur Spaß, aber dank starker Melodien nachhaltig. So geraten etwa die fast schon balladeske Liebeserklärung an die Lieblingskneipe, der Diss Richtung DJ oder die Aufarbeitung der eigenen Bandgeschichte im Titeltrack zu gelungenen Ohrwürmern. Vor allem letztgenannter Song überzeugt mit seinem Text – klassischerweise Schmutzkis Schwachstelle (siehe Einstiegszitat). Mit einem am Hip-Hop orientierten Ansatz nimmt das Trio den Hörer mit durch Stuttgart zu seinem ersten Proberaum unterm Marienplatz und findet zurück zu alter Stärke: „Schrammeln“. Das ist durchaus programmatisch für das dritte Album und der größte Unterschied zu den beiden Vorgängern, die noch die Qualitätskontrolle eines Majorlabels durchlaufen mussten. Nur "Kalifornia" versteckt seine Social-Media-Kritik hinter einem Milky-Chance-Rip-off. Ansonsten schütteln Schmutzki den zermürbenden Businessfrust der Vergangenheit mit maximaler Verzerrung ab. Das klingt meist mehr nach Garage- als nach Indiepunk, in "Gut so" auch mal kombiniert mit der alten Schwäche für die NDW. Und wenn Schmutzki heute verkatert sind, klingen sie noch kaputter als früher. Mag aber auch am Älterwerden liegen.

Bewertung: 8/12
Leserbewertung: 2.0/12

Bitte einloggen, wenn du diese Platte bewerten möchtest.

Bitte einloggen, wenn du diese Platte kommentieren möchtest.