Zur mobilen Seite wechseln
0 Autor: Jakob Uhlig

Karies - Alice

Alice

Max Rieger macht alles wieder gut: "Alice" ist das Album zwischen Post-Punk und Neuer Deutscher Welle, das Drangsals "Zores" hätte sein sollen.

Dass der Frontmann von Die Nerven beide Platten produziert hat, macht die Entwicklung des dritten Karies-Albums nur noch besser. Ist man beim Opener "Holly" zunächst versucht, dem Stuttgarter Quartett ungewohnte Kraftlosigkeit zu unterstellen, so erhärtet sich im weiteren Verlauf schnell die Erkenntnis, dass gerade das unheimlich weiche Klangbild von "Alice" die Diskrepanz zwischen musikalischer und inhaltlicher Ebene so frappierend macht. Genau darin besteht auch der Unterschied zwischen Karies, die in der Neuen Deutschen Welle die Obskurität und Kühle eines Fehlfarben-Songs sehen, und Drangsal, der darunter zuckrigen Nena-Kitsch versteht. Die Band nutzt diese Grundlage, um daraus wortkarge Kommentare über die eigene Zerrissenheit zu zaubern, die sich nie besser als mit der klanglichen Gleichgültigkeit von "Alice" ausdrücken ließen. So thematisieren Karies in "Altar" über einer leichtfüßig schwingenden Basslinie die Tragik des Todes: „Noch in den letzten aller Stunden/ In den Minuten vor der Helligkeit/ Lagen sie fest umschlungen aneinandergereiht“. Das sich in ein völlig überzogenes Accelerando steigernde "Pebbo" wirkt dagegen wie eine dramatische Persiflage auf unser schnelllebiges Dasein im Scheuklappen-Modus. Mit diesem kontrapunktischen Stimmungsbild gelingt Karies die Vermittlung einer Botschaft, die die krachenden Noise-Elemente der beiden Vorgänger nur unzureichend hätten bedienen können: Unser Leben ist eine kummervolle Einbahnstraße, aber wir ertragen es irgendwie.

Bewertung: 9/12

Bitte einloggen, wenn du diese Platte bewerten möchtest.

Bitte einloggen, wenn du diese Platte kommentieren möchtest.