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0 Autor: Christian Wiensgol

Low - Double Negative

Double Negative

Treffen sich zwei Mormonen und ein freigeistiger Produzent. Die Pointe ist irgendwas mit Slowcore-Ambient-Drone und alles andere als zum Lachen.

Am besten seien Low, schreibt Britta Helm zum Vorgänger "Ones And Sixes", wenn man vor ihnen oder um sie Angst haben müsse. Maßen wir uns nicht zu viel Reichweite an, aber tatsächlich ist "Double Negative" das mit Abstand beängstigendste Werk von Mimi Parker und Alan Sparhawk. Als wollten sie sich zum 25-jährigen Bandjubiläum der eigenen Relevanz vergewissern, krempeln Low mit Produzent BJ Burton, der zuletzt mit Bon Iver ähnlich progressiv unterwegs war, ihren kompletten Sound um und dekonstruieren Slowcore und Indierock mit einer Flex. All denjenigen, die ihre Musik in den letzten Jahren als wohlig warme Decke genutzt haben, verschaffen sie obendrein höllische Albträume. Der unweigerlich an David Lynch erinnernde Rausch ist vor allem ein Rauschen, das seine Hörer zum aktiven Zuhören oder eben Ausschalten zwingt. Es dauert ganze elf Minuten und zwei Songs, bevor in "Fly" so etwas wie eine vertraut wirkende Melodie von Parker aufblitzt. Davor, danach und währenddessen: Flimmern. Mal wabernd, mal sakral strahlend, meist unterkühlt und teils an der Grenze zum Hörbaren. Schönheit und Optimismus sind nicht verschwunden – man nehme nur das herausstechende "Always Trying To Work It Out" –, doch sie haben das Nachsehen. Low bekämpfen auf ihrem zwölften Album das eigene Schaffen und vertonen damit den Wahnsinn unserer Zeit unmittelbarer als irgendeine andere Band. Und noch während man versucht, "Double Negative" einzuordnen, geschweige denn zu begreifen, hat eine der wichtigsten Indiebands sich mal eben neu erfunden.

Bewertung: 9/12

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