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1 Autor: André Bosse

Death Cab For Cutie - Thank You For Today

Thank You For Today

Zwischen Kalendersprüchen und Softrocksounds: Death Cab For Cutie erledigen sich selbst.

Man will Death Cab For Cutie ja nichts Böses, aber es wird zum Problem, dass die Band selbst eben auch nichts Böses will. "Thank You For Today" – bei so viel Banalität schüttelt selbst der Kalenderspruchdichter mit dem Kopf. Das Album beginnt mit dem extrem wohlwollenden Song "I Dreamt We Spoke Again", einer Meditation darüber, einen geschlossenen Vorhang wieder aufzuziehen. Sonntagsmorgens, wenn andere in die Kirche gehen, erreicht einen diese Musik vielleicht. Häufig perlt sie aber ab, da hilft auch die Stimme von Ben Gibbard nur wenig, die uns einwickeln, versorgen, beruhigen will. Auf "Gold Rush" versuchen sich Death Cab For Cutie an einem halbwegs modernen Sound, ein wenig Blues und Soul steckt in dieser Single, das Arrangement zielt alleine auf den Radioeinsatz. Viel besser ist "Summer Years", ein wirbelnder Nostalgiesong mit The-Cure-Gitarren, der bei Regen beginnt und mit der Sehnsucht nach dem ewigen Sommer endet. Natürlich ist das Kitsch – aber hier stimmt die Balance aus Songwriting und Emotionalität. Mit "When We Drive" und "Near/Far" versucht sich die Band an War-On-Drugs-Momenten, die jedoch fade bleiben, "Autumn Love" steigt mit einer aalglatten 12-saitigen Akustikgitarre ein, wie ABBA sie in "I Have A Dream" spielen. Man verzweifelt an der Softness des Albums, dann findet die Band mit "Northern Lights" doch noch einen Ausweg und die niederschmetternde Ballade "60 & Punk": „It’s nothing elegant in being a drunk/ It’s nothing righteous being 60 and punk“. Death Cab For Cutie zerlegen den Mythos der ewigen Rebellion – halten ihm jedoch nur gefälligen Mainstreamrock entgegen.

Bewertung: 6/12
Leserbewertung: 6.0/12

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Kommentare (1)

Avatar von Streck0 Streck0 17.08.2018 | 23:33

Death Cab haben mit Transatlanticism und Plans zwei großartige Alben abgeliefert und mit Narrow Stairs noch ein sehr ordentliches. Mehr erwarte ich von einer Band nicht. Ein großartiges Konzert auf der Tour zu Plans durfte ich auch miterleben. Von daher geht es schon in Ordnung, dass ich mit den Alben aus diesem Jahrzehnt durch die Bank nicht viel anfangen konnte. Dieses hier ist da keine Ausnahme. Allerdings ist es dann doch um einiges besser als die Totalausfälle Codes and Keys und Kintsugi. Und mit 60 & Punk hat es zumindest einen herausragenden Song, der sich meiner Meinung nach vor keinem anderen Death Cab Song verstecken muss.

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