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Spiritualized - And Nothing Hurt

And Nothing Hurt
  • VÖ: 07.09.2018
  • Label: Pias Coop/Bella Union
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 306 - Schönheit der Ausgabe

Egal, wie groß es klingt: Das achte Album von Spiritualized nahm J. Spaceman allein bei sich am Rechner in der Dachkammer auf. Hinter einem langen, frustrierenden Weg liegt mit "And Nothing Hurt" ein Ziel, das glücklich macht.

Wobei das bei den meisten Alben von Spiritualized der Fall ist, auf denen Spaceman, also Jason Pierce, seine Gottesmusik mit Pauken und Trompeten, mit Streichern und Gospel, mit Blues und Rock'n'Roll überlebensgroß inszeniert. Seit Anfang der 00er Jahre lässt sich Pierce immer mehr Zeit zwischen den Alben. Denn "Songs In A & E" liegt fünf Jahre nach seinem Vorgänger ein Kampf ums Überleben zugrunde, nachdem sich Pierce eine lebensbedrohliche Lungenentzündung zugezogen hatte. Das Album fällt teils spröde, teils fragmentarisch aus. Auf "Sweet Heart, Sweet Light" von 2012 findet Pierce zu klassischeren, längeren Songstrukturen zurück – wobei kein Song dem eröffnenden Epos "Hey Jane" das Wasser reichen kann. Nun, sechs Jahre später, hat Pierce "And Nothing Hurt" zusammengebastelt. Wortwörtlich. Der Grund ist simpel: Pierce will weiterhin grandiose, überschäumende, pompöse, voll ausstaffierte Songs kreieren – nur fehlen ihm für ein Studio, in das er Band, Streicher, Bläser und Chor einladen kann, die finanziellen Mittel. Also kauft er sich einen Laptop und kniet sich in die – für ihn komplett neuen – Techniken, die ihm Mischpult und Konsolen ersetzen. Am Monitor fügt er in elender Kleinarbeit die Spuren und Schichten zusammen, die ein klassisches Spiritualized-Album ausmachen, denn genau das soll "And Nothing Hurt" werden. Und das ist es auch geworden. Die neun vier- bis siebenminütigen Kompositionen klingen nicht einen Deut nach Minimalismus, die einzelnen Elemente sind nur nach und nach im kleinen Zimmer anstatt im großen Studio entstanden, in monatelanger Arbeit. Ein Wunder hat Pierce vollbracht, das wunderbar klingt – vom eröffnenden Wiegenlied "A Perfect Miracle", dem mit prägnanten Bläsern angereicherten Liebeslied-Blues "I'm Your Man", dem idyllischen, versöhnlichen Roadtrip-Song "Here It Comes (The Road) Let's Go" bis zum sachte pulsierenden Drone-Country-Gospel von "Sail On Through". Eigentlich lässt sich jedes Stück hervorheben. Auch das pianogetragene, romantische "Let's Dance", eine von Pierces Verbeugungen vor dem Genius von Brian Wilson. Oder der obligatorische treibende Rocker "On The Sunshine", die elegischen "Damaged" und "The Prize" sowie "The Morning After", das mit seinen fast acht Minuten vom Aufbau her wie eine Fortsetzung von "Hey Jane" wirkt. Das ist wunderschöne Musik – und in Anbetracht ihrer Entstehung muss man die ersten zwei Silben betonen.

Leserbewertung: 10.7/12

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