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0 Autor: Nils Heutehaus

Death Grips - Year Of The Snitch

Year Of The Snitch
  • VÖ: 22.06.2018
  • Label: Caroline / Universal
  • Erschienen in: VISIONS Nr. 306

Ein Unding, dieses Album, so furchteinflößend wie faszinierend.

Zugänglich war das Noise-HipHop-Trio aus Sacramento noch nie: Ihre Mischung aus Punk, Rap und Noise transportiert die glühende Paranoia eines schlechten Trips, was durch ihr öffentliches Image weiter angeheizt wird. No-Shows, gebrochene Plattenverträge, ein gefaktes Band-Ende und weitere Grenzwertigkeiten haben der Gruppe einen regelrechten Kultstatus eingebracht. Wer jedoch nach dem sauberen Sound des Vorgängers "Bottomless Pit" dachte, der Weg ginge langsam Richtung Mainstream, liegt falsch: "Year Of The Snitch" ist ein chaotischer Soundbrei, dessen entfesselter Maximalismus sogar für Death Grips’ Verhältnisse überwältigt. Struktur und Melodie haben sich in den Entzug verabschiedet: Schrille Synthesizer, fremdartige Samples und bizarre Overdubs bilden das Grundgerüst, auf das Hella-Drummer Zach Hill wie besessen einprügelt. Er hitzte Klumpen aus Gabba, House, Noise und Industrial bilden einen verstörend-betörenden Teppich. Darauf steht Frontmann MC Ride, der sich als Dreh- und Angelpunkt der Platte entpuppt. Ausgerechnet, wenn der groovige Bass in "Ha Ha Ha Blastbeats" und splitternden Synthesizern weicht, liefert er den lässigsten Flow des ganzen Albums ab. Sein dadaistisches Mantra im düsteren Bass-Monster "Black Paint" kann nicht mal Tools Justin Chancellor als Gast mit seinem Riff niederringen. Wirklich auseinander fällt "Year Of The Snitch" nur, wenn Death Grips sich selbst zu sehr gefallen. Das Feature von Shrek-Regisseur Adam Johnson entpuppt sich als müdes Spoken-Word-Intro, dessen nerviger Meta-Humor an "Rick & Morty" erinnert. Eine Platte, die Schmutz und Exzess feiert wie nur wenige.

Bewertung: 9/12

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