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0 Autor: Daniel Thomas

Nothing - Dance On The Blacktop

Dance On The Blacktop

Selten hat ein Albumtitel so gut eingefangen, was darunter freigelegt werden möchte: Aufreizender, infektiöser Shoegaze mit morbiden Inhalten. Nothing malen Schwarz in allen Farben.

Den Vorgängern zu verfallen, insbesondere dem tadellosen "Tired Of Tomorrow", war einfach. Mitreißender, toll produzierter Shoegaze mit Hooks und Spirit. Der Blick aufs Cover von "Dance On The Blacktop" macht deutlich: Ganz so einfach machen es einem Nothing dieses Mal nicht. Frontmann Domenic Palermo versteckt sich hinter einer plastischen Maske, er leidet an einer chronisch traumatischen Enzephalopathie, die sich noch unmittelbarer als zuvor auf die Thematik der Platte niederschlägt. "Dance On The Blacktop" ist voll von Geschichten des Selbsthasses, der Selbstzerstörung und genereller Menschenverachtung. Im Opener "Zero Day" verhandelt Palermo zu noisigen Gitarren die feindliche Sinnlosigkeit des Lebens. Musikalisch äußern sich die dunklen Stimmungen weniger offensichtlich, hauptsächlich aber in einem gedrosselten Tempo und sparsamen Dur-Akkorden. Lediglich "You Wind Me Up" verfügt noch über diesen betörenden, beinahe punkigen Vorwärtsdrang, der an das großartige Debüt von Amusement Parks On Fire andockt, die als erste eine derart rasante Fahrt so in Shoegaze überführten, dass jeder hallenden Soundwand das Verdeck davonflog. Hier besticht stattdessen "Hail On Place" als eines der Highlights des Albums mit verletzlicher Melodie, "The Carpenters Son" mit traumwandlerischem Post-Rock, den Palermo mit gehauchter Stimme veredelt. Es ist ein komatöses und zugleich elysisches Rauschen, bei dem man nie so recht weiß, was unangebrachter wäre: tanzen oder weinen.

Bewertung: 9/12
Leserbewertung: 6.0/12

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