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0 Autor: Markus Hockenbrink

RVG - A Quality Of Mercy

A Quality Of Mercy

Der Post-Punk der Australier verdankt sich in Wahrheit vor allem dem Proto-Punk der 60er-Jahre-Garage. Besonders proto: die geile Stimme von Transfrau und Sängerin Romy Vager.

„If there were two of me/ Well, one could be with you“, singt sie auf "Eggshell World", dem mutmaßlich besten Song der 30-Minuten-LP, die daheim in Melbourne schon im vergangenen Jahr erschien. RVG ist das Kürzel für Romy Vager Group, ein Quartett, das zwei Hauptdarsteller hat. Der eine davon ist Vagers Stimme, voluminös, dunkel, abgeklärt und in der Lage, schummrige Gassen durch schieren Willen in "Lover’s Lanes" zu verwandeln. Der andere Chef im Ring: die Hall-bewehrte Surf-Gitarre, die jeden Song begleitet wie schwarzer Nagellack besonders weiße Hände. "A Quality Of Mercy" hat jede Menge romantische Qualitäten von der Art, die man auch 1967 geschnallt hätte, wenn man sich rechtzeitig von der Flower-Power-Meute abgesetzt hätte. Mit Blümchentapete ist es nicht so weit her auf dem Album, dafür ist die Lederjacke frisch poliert, um ein verletzliches Herz zu schützen. „I’ve been trying not to open up so much“, singt Vager, die ansonsten nicht den Eindruck macht, besonders scheu zu sein. Aus diesem Gegensatz bezieht "A Quality Of Mercy" genau wie alle James-Dean-Filme und das wilde Mädchen aus der Nebenstraße seinen Charme, und der einzige Song, der nicht wie ein Geständnis klingt, ist das etwas Gimmick-hafte "IBM". Angeblich sind die Go-Betweens und die Sisters Of Mercy die Lieblingsbands von Romy Vager, doch die gedachte Schnittmenge täuscht, ein bisschen Roxette ist auch immer dabei: „I wouldn’t sleep with you/ But you can sleep next to me/ That’s all that I want“.

Bewertung: 8/12

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