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0 Autor: Gerrit Köppl

Snail Mail - Lush

Lush

Lindsey Jordan alias Snail Mail ist 19 Jahre alt und hatte schon vor zwei Jahren mit ihren Bedroom-Pop-Aufnahmen erste Wellen im Indie-Kosmos geschlagen. Mit dem nun anständig produzierten Debüt treffen sie endlich auf die Brandung, und man will sich sofort davontragen lassen.

Die junge Gitarristin hat mit dem traumhaften Soundgewand von "Lush" die Chance zu beweisen, was sie mit ihrem Instrument alles zaubern kann: Da sind die wundervollen Dreampop-Sphären der Vorabsingle "Pristine", der rauschende Noise-Pop in "Heat Wave" mit expressiven, Sonic-Youth-inspirierten Soloeinlagen und das verhallte Fingerpicking-Stück "Let’s Find An Out" – allesamt feinfühlige, detailverliebte Kompositionen, komplett aus der Feder von Jordan und teilweise mehr als drei Jahre alt. Die reißen anfangs mit Emo-Revival-Anleihen und vergleichsweise hoher Lautstärke mit, ab "Stick" taucht Jordan jedoch ein in Slowcore-Welten, die sich erst nach mehreren Durchläufen in ihrer ganzen Tiefe erschließen. So viel schichtet sie trotz der einfachen Instrumentierung übereinander, versteckt sanfte Töne weit im Hintergrund und lässt betörende Leadmelodien einfach mit ihrer stets präsenten Stimme verschmelzen. Ihre harmonischen Wendungen in "Deep Sea", in dem sie achtsam warme Bläser mit ins Boot holt, sorgen für eine derart ambivalente Stimmung, dass das Lied beim ersten Hören heiter, beim dritten Durchlauf schmerzvoll klingen kann. Niemals klingt es, als würde Jordan jammern, obwohl "Lush" in weiten Teilen von typisch jugendlicher Verunsicherung handelt. Allein die Sprache ihrer Musik ist aber so viel reifer und facettenreicher als das. Genauso „opulent“, wie der Titel verspricht – nur unter der Oberfläche.

Bewertung: 10/12

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