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0 Autor: André Bosse

Fehlfarben - Monarchie & Alltag (Rerelease)

Monarchie & Alltag (Rerelease)

Der zu Recht so hoch gelobte deutsche Postpunk-Klassiker wird neu aufgelegt.

"Die Gegenwart ist auch nicht berauschend/ Es gibt so viel Leute, die mich belauschen" – Zeilen wie diese machen "Monarchie & Alltag" (1980) bis heute zu einem Kumpel, der immer gleich mies gelaunt ist, zu allem was zu sagen hat und beinahe immer ins Schwarze trifft. Die Düsseldorfer befanden sich bei den Aufnahmen längst in der vierten oder fünften Reflexionsschleife des Punk: Sie hatten London gesehen und waren Stammgäste im Ratinger Hof in Düsseldorf. Sie kannten auch längst die coolen Postpunkplatten, das Zeug von Gang Of Four und Wire, dazu den minimalistischen Wave der ganz frühen The Cure und die stilistische Offenheit von The Jam. Aus diesen Einflüssen entwickelte die Band ihre Mischung, sehr eigen, aber dennoch hörbar an dem orientiert, was die Band gerne hörte. Das sind Geschichten etwa könnte ein Backingtrack vom Cure-Debüt sein – wenn da nicht diese Stimme wäre. Die gehört Peter Hein, ein Nörgler mit Mitteilungsdrang, der sich auskennt in der Welt, weil er viele Zeitungen liest und den Leuten auf den Mund schaut, wenn die sich um Kopf und Kragen reden. Seine Texte zu Grauschleier oder Angst sind starke Gegenreden zum neoliberalen Futurismus, der damals um sich schlug. Der Text von "Militürk" stammt von DAFs Gabi Delgado. Zwei Songs fallen auf: Das lackierte Discoding "Ein Jahr (Es geht voran)", das die Fehlfarben selbst nicht mochten, zur NDW von der Plattenfirma als Single bestimmt und ein Hit wurde. Sowie "Paul ist Tot", eine fabelhafte Flipper-Leben-Analogie: „Was ich haben will, das krieg ich nicht/ Und was ich kriegen kann, das gefällt mir nicht.“ Das ganze Elend auf den Punkt gebracht.

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